Dienstag, 5. August 2014

koerschgen knipst: Fotoimpressionen – „Scotland coast to coast”

Nicht jeden Tag unseres diesjährigen Urlaubs waren wir auf ausgedehnten Wanderungen unterwegs. Hin und wieder hat es auch mal geregnet so dass ein wenig Zeit zum Chillen blieb, oder wir haben aus dem sehr zentralen Perthshire den einen oder anderen Abstecher gemacht. Dabei ging es buchstäblich von Küste zu Küste. Edinburg und Arbroath (nahe Aberdeen) an der Nordsee und Oban am Atlantik standen auf dem Programm. Dazu noch der eine oder andere Spaziergang oder Ausflug in die nähere Umgebung.

Dabei sind jede Menge Fotos entstanden und die besten möchte ich Euch nicht vorenthalten. Das Kamera-Equipment ist mittlerweile ein wenig professioneller geworden und so erweitern sich auch die fotografischen Möglichkeiten.

Viel Spaß beim Gucken!
Stay tuned
k0erschgen

Montag, 21. Juli 2014

Munrofieber: Tarmachan Ridge

In Schottland gibt es aktuell 282 Berge mit einer Höhe über 3000 Fuß – die Munros. Manche Menschen haben es sich zum Ziel gesetzt, auf allen diesen Gipfeln gewesen zu sein, und sind diesem Ziel in jahrelanger, ausdauernder Kleinarbeit schon recht nah gekommen, wie zum Beispiel mein ehemaliger Kollege Frank der auch fleißig zu diesem Thema bloggt.

Vor ein paar Tagen haben wir unsere ersten beiden Munros auf die Liste gesetzt und heute soll noch der Meall nan Tarmachan folgen. Das wären dann in zwei Wochen Schottlandurlaub insgesamt drei Munros. Bei der Quote haben wir dann also nur noch schlappe 93 Jahre vor uns – hm … könnte vielleicht ein bisschen knapp werden. Wer übrigens neugierig ist, wie die gälischen Namen der Berge ausgesprochen werden, der kann sich hier einen Eindruck verschaffen.

Unser Auto steht wieder am Ben Lawers car park, von wo wir schon bei der ersten Tour gestartet sind. Die Sonne strahlt von einem locker bewölkten Himmel bei 23°C. Dort wo kaum Wind geht ist es schon ziemlich schwül – wen wundert´s, ist ja auch schon 12 Uhr. Egal, weiter oben wird es schon noch kühler werden.

Die Route geht nach einem zunächst recht flachen Vorgeplänkel zügig in eine konstant straffe Steigung über. Der luftige Wind will sich noch nicht so recht einstellen, also ist erstmal Schwitzen angesagt. Nach gut anderthalb Stunden haben wir 800 ü.N.N. erreicht und machen zuerst mal eine kurze Rast. Von hier lassen wir den Blick weit schweifen über die benachbarten Berge Meall Corranaich, Beinn Ghlas und Ben Lawers, und hinab ins Tal auf Loch Tay und den kleinen Stausee Lochan na Lairige.



Dann wird es noch ein wenig steiler. Ein kleiner Nebengipfel ist zu überwinden und dann folgt der Endspurt auf den Meall nan Tarmachan. Hier oben treffen wir dann auch viele der Insassen der auf dem Parkplatz abgestellten Autos. Die Kids können es wieder nicht erwarten und rennen schon mal vor in Richtung Gipfel, während wir es, leicht gebremst durch unsere Kondition und einen kurzen Schuhwechsel, langsamer angehen lassen. Die Wolken haben sich ein bisschen verdichtet, jedenfalls ist es jetzt nicht mehr ganz so warm.

Den Gipfel in 1044 Metern Höhe erreichen wir gegen 15 Uhr. Der Ausblick ist wie erwartet toll, wenn auch ein wenig Dunst die Fernsicht dämpft. Für ein 360°-Panorama-Foto reicht es leider nicht, dazu ist auf dem Gipfel einfach zu viel los, aber der Blick auf den nächsten Teil des Weges kann ich noch in einer etwas ruhigeren Phase einfangen.

Auf dem weiteren Weg geben wir ein paar Höhenmeter ab in Richtung des ersten Nebengipfels Meall Garbh. Die markante, steile Spitze würde mit ihren 1024 Metern ebenfalls zu den Munros zählen, wenn Sie denn einen eigenen Anstieg von mindestens 200 Metern hätte. Es sind leider nur ca. 50 und deswegen zählt Meall Garbh lediglich zu den 510 sog. „Tops“ in Schottland. Das macht aber gar nichts, die Aussicht ist ebenso schön von dort oben. Der Ausblick auf den weiteren Verlauf des Ridge lässt erahnen, dass es jetzt ein wenig alpiner wird. Ein Trampelpfad von einem halben Meter Breite führt in luftiger Höhe über den Grat, der an beiden Seiten ca. 45° abfällt. Nicht wirklich gefährlich, aber die ersten paar Schritte fühlen sich immer ein wenig seltsam an.



Richtig spaßig wird es aber dann beim Abstieg den man nach kurzer Wegstrecke erreicht. Auf den nächsten zwanzig Metern ist Klettern angesagt – oder wie die Kategorisierung des Scottish Mountaineering Club besagt „moderate scrambling“. Das bedeutet, dass man zwar abstürzen kann, aber ohne fatale Folgen. Na denn …. Glücklicherweise ist es ziemlich trocken und der Fels griffig. Das Dumme ist nur: von oben sieht diese Passage viel schwerer und gefährlicher aus als sie eigentlich ist. Die Folge ist heftiges Nervenflattern bei meiner ältesten Tochter. Mit vielen beruhigenden und Mut machenden Worten lotse ich sie Stück für Stück sicher auf ebeneres Terrain. Danach ist sie sichtlich stolz, dass sie diesen Punkt und auch sich selber überwunden hat. Als wir uns die ganze Sache dann anschließend noch einmal von unten anschauen stellen wir fest, dass die Hangneigung an der Kletterstelle höchstens 60° beträgt.

Eigentlich ginge es jetzt nach einem etwas tiefer gelegenen Sattel wieder hoch auf die nächsten beiden Tops Beinn an Eachan und Creag na Caillich, aber die beiden schenken wir uns wegen der doch schon etwas vorgerückten Stunde und entscheiden uns stattdessen für den direkten Weg über den sanft abfallen Hang nach Süden. Während wir uns vorsichtig einen Weg durch die stellenweise klatschnasse Moorwiese suchen stoßen wir auf einen kleinen Bach, der sich ein tiefes Bett in den Hang geschnitten hat. Diese Ecke ist einfach idyllisch, alle zehn Meter gibt es einen kleinen Wasserfall, ruhige kleine Tümpel mit kristallklarem Wasser oder quirlige Ströme um große Felsbrocken. Die Sonne hat inzwischen wieder das Regiment übernommen und wir ahnen, dass wir uns schon wieder einen Sonnenbrand einfangen werden.

An einem etwas größeren, flachen Tümpel obsiegt dann letztlich die Verlockung die müden Füße in das kalte, klare Wasser des Bachs zu stecken – eine absolute Wohltat. Wir vertrödeln hier locker anderthalb Stunden, aber hey, Was soll´s? Ist ja schließlich Urlaub.



Die angenehme Rast wartet aber auch mit einer ordentlichen Schrecksekunde auf. Ich trage meine Kamera immer an einer sog. Colt-Tasche am Gürtel. Dort ist sie immer griffbereit und gut geschützt. Für das Fußbad im Bach nehme ich die Tasche allerdings ab und platziere sie an einer kleinen Graskuhle am Hang. Leider ist die Kuhle dann wohl doch etwas zu klein! Während ich noch nach einer guten Stelle suche um ins Wasser zu gelangen, hat meine Kameratasche diese Überlegung offenbar schon hinter sich. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sie zunächst ins Rutschen, und danach ins Rollen gerät. Laut fluchend stolpere und hechte ich die wenigen Meter hinterher. Meine Bewegungen fühlen sich quälend langsam an. Mit einem leisen Klatschen trifft die Tasche auf der Wasseroberfläche auf. Gott sei Dank sind alle Reißverschlüsse zu, sodass die Luft im Inneren der Tasche eine knappe Sekunde lang für Auftrieb sorgt – gerade genug Zeit um die Tasche mit einem beherzten Griff zu packen und an Land zu ziehen. Uiuiui, das war knapp! Das wenige Wasser welches in die Kameratasche eingedrungen ist, hat lediglich ein paar Spritzer auf dem Gehäuse und eine kleine Pfütze am Boden, dort wo das Frontglas des Objektivs sitzt, hinterlassen. Ansonsten wäre dies hier vermutlich ein „Nur-Text-Blogartikel“ geworden und ich um viele Euronen ärmer.

Der Rest unseres Weges führt uns an einem verlassenen Steinbruch vorbei auf einem fest ausgebauten Feldweg über Wiesen langsam abwärts zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Die Wolken haben sich inzwischen fast völlig verflüchtigt und die Abendsonne brennt jetzt ungehindert auf uns nieder. Wie erwartet färbt sich die Haut allmählich rötlich. Beim nächsten Schottlandurlaub ist definitiv Sonnenschutzcreme angesagt!

Kurz vor Acht sind wir wieder am Auto nach einer nicht wirklich langen Strecke und auch die Anzahl der Höhenmeter halten sich sehr in Grenzen – hier findet Ihr die Aufzeichnung unseres Tracks. Trotzdem war das bisher die abwechslungsreichste und spannendste Tour unseres Schottlandurlaubs. Für den nächsten Tag ist aber jetzt mal ein bisschen relaxen angesagt.

Viele Grüße an allen Daheimgebliebenen.
Stay tuned!
k0erschgen

Montag, 14. Juli 2014

Munro-Premiere: Meall Corranaich und Bein Ghlas

Unser zweiter Urlaubstag in Perthshire, Scotland. Die Wettervorhersage ist vielversprechend: „21°C partly cloudy with slight chance of rain“. Viel mehr kann man in den Highlands vermutlich nicht erwarten. Der erste Blick am Morgen aus dem Fenster zeigt einen strahlend blauen Himmel. Die beiden möglichen Touren für den heutigen Tag (Meall nan Tarmachan 1044m, oder Ben Lawers/Beinn Ghlas 1204m – hier der Link zu unserem GPS-Track) sind schon lange im GPS-Tracker gespeichert. Die Aussicht auf klares Wetter legt uns nahe, den Blick über die Highlands von einer möglichst hohen Warte aus zu genießen – passt schon! Nach dem Frühstück sieht es aber zunächst so aus, als würde das Wetter doch vielleicht noch kippen, aber die Wolken ziehen schnell und relativ hoch, unterwandert nur von gelegentlichen Hochnebelfetzen. Erst mal losfahren, dann werden wir es schon sehen.

Auf dem Ben Lawers Car Park an der Nordseite des Loch Tay ist schon einiges los, eine einsame Wanderung wird das wohl eher nicht. Stattdessen werden wir recht vielen anderen Wanderern begegnen und auch mit dem einen oder anderen einen kleinen Schnack halten. Kräftiger Wind zerzaust die Haare, wogende Gräser auf den Hangwiesen und dennoch überwiegend Sonnenschein mit Schönwetterwolken, auch wenn die Gipfel der umliegenden Munros noch in Wattenebel gehüllt sind.

Der Pfad führt uns leicht aber stetig aufwärts. Zuerst durch das „Ben Lawers Nature Reservoir“ am Fuß des Beinn Ghlas. Hohe Zäune um das Biotop verhindern hier, dass Schafe und Rotwild den jungen Baum- und Strauchtrieben den Garaus machen. So konnte hier ungehindert eine Vielzahl an Pflanzen gedeihen. Der kristallklare Bach der das Areal längs mit einem tiefen Einschnitt in zwei Teile teilt murmelt friedlich vor sich hin – im Frühjahr oder Herbst sieht das sicher anders aus.


Am Ende des Nature Reservoirs markiert ein Haufen von größeren Felsbrocken eine Weggabelung. Wir entscheiden uns gegen den direkten Aufstieg auf den Ridge zum Beinn Ghlas, und für den langsam und stetig ansteigenden Pfad westlich des Massivs. Der steinige dafür aber trockene Weg führt uns durch ein breites Tal mit halbrundem Profil. Saftige Wildwiesen auf denen friedlich wiederkäuende Schafe in kleinen Gruppen liegen und den lieben Herrgott auf ihre Weise einen guten Mann sein lassen. Zur Linken blitzt hin und wieder der Gipfel des 1069 Meter hohen Meall Corranaich durch die Nebelfetzen. So steil sieht der gar nicht aus. In einem Internetforum hatte ein Wanderkollege davon gesprochen, den Gipfel in 25 Minuten erstürmt zu haben, ob das wohl geht?

Bei ca. 860 Höhenmetern erreichen wir nach knapp 2 Stunden einen breiten Sattel. Von hier aus genießen wir den traumhaften Ausblick nach Norden in Richtung Glen Lyon. Der Gipfel des Meall Corranaich lockt. Meine Liebste hat keine rechte Lust auf sportliche Herausforderung, aber die Kids scharren schon mit den Hufen und wollen den Gipfelruhm. Der Plan ist schnell entwickelt: 25 Minuten ´rauf, Gipfelfoto knipsen, 25 Minuten ´runter – damit die Zurückgebliebene nicht so lange warten muss. Und dann folgt umgehend und kompromisslos die Umsetzung, mit zügigen, schnellen Schritten. Das kurze, steile erste Stück erfordert ein wenig Klettern, aber keine nennenswerte Handarbeit. Die Kids geben so richtig Gas und ich hampele hintendrein. Nach 11 Minuten haben wir knapp die Hälfte erreicht. Der Wind pfeift ganz ordentlich hier oben. Meine Kondition wird wohl halten, aber trotzdem ist alle zehn Höhenmeter ein kurzes Stretching (oder sagen wir es ehrlich: „Stehenbleiben“) nötig um die in den letzten Monaten wenig trainierte Beinmuskulatur vor dem vorzeitigen Kollaps zu bewahren. Zehn Minuten später stehen wir auf dem Gipfel. Leichter Nebel umwabert uns, trotzdem ausreichend Sicht für ein Gipfel-Selfie. Die Zeit ist viel zu kurz um angemessen zu würdigen, dass wir gerade unseren ersten Munro bestiegen haben. Wenigstens haben wir während des Abstiegs noch genügend Zeit ein paar luftige Fotos zu schießen bevor wir plangemäß 50 Minuten nach dem Start wieder auf dem Sattel stehen.

Der Pfad führt uns nun in einem weiten Bogen auf den Ridge zwischen Ben Lawers und Beinn Ghlas. Traumaussicht Richtung Süden auf Loch Tay und Zeit für eine kurze Rast. Die Beine sind schon ziemlich schwer und wir entschließen uns Ben Lawers auszulassen. Beinn Ghlas soll aber in jedem Fall unser zweiter Munro für heute werden. Während des Aufstiegs stehen meine Oberschenkel in Nähe der Knie öfters kurz vor dem Krampf – wieso musste ich auch mit jungen Bergziegen um die Wette rennen - aber glücklicherweise geht trotzdem immer noch ein bisschen mehr. Auf dem Gipfel des Beinn Ghlas zeigt sich der Tag dann von seiner allerschönsten Seite. Nur die Spitze des Ben Lawers hat noch ein kleines Schlagsahnehäubchen, fast alle anderen Gipfel ringsum zeigen sich in strahlendem Sonnenlicht. Hier oben ist es erstaunlicherweise fast windstill und die Sicht einfach überwältigend. Beste Bedingungen für ein 360° Panorama.

Der knapp 700 Höhenmeter umfassende Abstieg zum Parkplatz über den steinigen Südgrat ist die erwartete Knochenmühle, am besten einfach ignorieren und die fantastischen Blicke über die Highlands genießen – auch wenn jedes talwärtige Aufsetzen der Füße ein wenig in den Knien drückt. Verrückterweise ist der Wind hier wieder ausgesprochen stark, was so gar nicht zu der Flaute auf dem Gipfel passen will, aber je näher wir dem Tal kommen, desto mehr legt sich auch der Wind und die Kraft der Sonne wird stärker spürbar – ganz schön warm hier unten. Ein leichter Sonnenbrand sorgt bereits für eine frische Gesichtsfarbe und verdeckt den Anschein, dass wir alle doch schon recht müde und ein wenig erschöpft sind. Hoffentlich bleibt uns noch genügend Kraft um unsere Nationalelf am Abend beim WM-Finale in Rio ordentlich anzufeuern – natürlich nicht „in echt“ sondern vor der Glotze. Ein Sieg wäre schön, um diesen tollen Tag angemessen zu krönen.

Grüsse aus den Highlands und eine schöne Woche
stay tuned …
k0erschgen

Samstag, 31. Mai 2014

Revival: Höhen- und Tälerwanderung abseits der Ahr bei Staffel

Am 17. Juni 2012 hatten meine Liebste und ich auf dieser wirklich schweren Tour erstmals unsere Kompatibilität in Sachen Wandern höchst erfolgreich erprobt, allerhöchste Zeit also für ein Revival da sich dieser Tag ja nun fast schon zum zweiten Mal jährt!

Die Runde ist eine der längsten und anspruchsvollsten aus dem umfangreichen Programm von www.naturaktiverleben.de. Das Wanderportal auf dem ausschließlich Premiumwanderungen zu finden sind wird in Kürze seine einhundertste Wanderung veröffentlichen. Wir gratulieren recht herzlich und nutzen die Gelegenheit um noch einmal Danke zu sagen, für die unermüdliche und akribische Arbeit der Damen und Herren, die jede einzelne der veröffentlichten Touren zu einem einzigartigen Erlebnis machen.

Es gibt aber noch andere Neuigkeiten zu vermelden. Gestern habe ich meine treue und stets verlässliche Nikon D60 in die wohlverdiente Rente geschickt. Für meinen Einstieg in die Digitalfotografie bin ich mit der kleinen und leichten Begleiterin immer gut gefahren und es sind mir einige tolle Bilder gelungen. Aber der technische Fortschritt ist unaufhaltsam, und so tritt nun eine nigel-nagel-neue D7100 an ihre Stelle. Die ersten Ergebnisse zeigen zwar, dass ich noch einiges lernen muss um die Möglichkeiten der neuen Kamera voll auszuschöpfen (viele, viele, neue Knöpfe) aber in Sachen Bildqualität ist das definitiv ein Quantensprung.

Weiters (wie der Österreicher sagt) werde ich meinen Blog ab jetzt ein wenig auflockern und in die oftmals etwas länglich ausfallenden Textwüsten das eine oder andere Foto einstreuen. Keine Angst: es wird immer noch das komplette und vollständig kommentierte Album am Schluss geben, aber ich finde dass es auch hier an der Zeit ist, etwas zu ändern.

Recht früh waren wir heute unterwegs, 09:15 zeigte die Uhr als wir vom Parkplatz am Ortseingang von Staffel loszogen. Wir hatten schließlich einige Kilometer und Höhenmeter vor der Brust. Die Wanderung beginnt mit einem mäßig steilen, aber stetigen Anstieg oberhalb der Verbindungsstrasse nach Heckenbach. Aufgrund der frühen Stunde, boten sich hier viele tolle Blicke die durch die noch tief stehende Sonne mit wunderschönen Streiflichtern garniert wurden.


Einige Wegabschnitte sind im späten Frühjahr stellenweise schon recht zugewachsen und weil dorthin kaum ein Mensch seine Schritte lenkt, sind lange Beinkleider unbedingt Pflicht, will man nicht von den Zecken aufgefressen werden. Begibt man sich im Spätsommer auf diese Wanderung ist sie wohl kaum noch ohne GPS-Tracker machbar, da man viele Wegeinstiege nicht mehr finden wird.

Nach dem Abstieg ins Tal von Heckenbach geht es auch gleich wieder bergauf, genauso stetig, aber diesmal um einiges steiler. Dieses Auf und Ab ist charakteristisch für die Tour und sorgt für den eingangs erwähnten, hohen Schwierigkeitsgrad. Als wir den Wald verlassen bietet sich auch schon gleich der erste tolle Fernblick in der unverwechselbaren Geschmacksrichtung „Eifel“. Zeit die Kamera zum ersten Mal um 180° rotieren zu lassen.

Und es geht weiter bergauf, knappe 600 Meter ü.N.N werden wir bald erreicht haben, aber zuerst geht es wieder über eine große Wiesenfläche. In ungefähr 150 Metern Entfernung erblicken wir eine Gruppe Rothirschkühe, und ein wenig abseits am Waldrand steht der „Rest“ des Rudels, etwa 40 Tiere, die unser Kommen bereits bemerkt haben und aufmerksam in unsere Richtung blicken. Vielleicht kommen wir ja noch ein bisschen näher heran – allzu gut sehen Hirsche auf Entfernung ja bekanntlich nicht. Unsere Bewegung nehmen sie aber dennoch wahr und fliehen nach und nach zu ihrem Rudel, um kurze Zeit später ganz im Wald zu verschwinden. Jetzt wundern uns auch die vielen Hufabdrücke auf den Wegen, die wir abseits der Ortschaften gesehen hatten nicht mehr. Überhaupt scheint der ganze Wald in der Umgebung proppevoll mit Rotwild zu sein. Wir werden auf unserem weiteren Weg noch zweimal Gelegenheit bekommen diese scheuen Tiere in freier Wildbahn zu bewundern.


Ein lauschiger Grasweg entlang des Waldrands führt uns schließlich zum höchsten Punkt der Wanderung. Danach geht es stetig bergab. Einige Passagen führen recht steil nach unten. Gut, dass wir die Tour nicht in umgekehrter Richtung gelaufen sind.

Das erste Highlight der Wanderung, die Wachholderheide auf dem Wiwwelsberg erreichen wir nach einem weiteren Anstieg und insgesamt 11 Kilometern. Wir breiten die Picknickdecke aus und legen eine ausgiebige Rast ein. Sobald man sich auf den Boden setzt wo kein Windzug mehr zu spüren ist brennt die Sonne mit großer Kraft auf der Haut und lässt die gelegentliche Kühle der waldigen Streckenabschnitte vergessen. Sonnenmilch? Fehlanzeige! Also scheint der nächste Sonnenbrand schon vorprogrammiert. Egal, wir lassen den lieben Herrgott für eine knappe Stunde einen guten Mann sein, bevor wir wieder weiterziehen.


Orthopädisch begründete Querelen zwingen uns beim Erreichen des Staffeler Baches schließlich zu dem schweren Entschluss bei Kilometer 16 die Tour radikal zu verkürzen. Jetzt noch ein gutes Dutzend Kilometer mehr ´drauf zu packen wäre reine Quälerei und so muss der sportliche Ehrgeiz mal hinter dem Genuss-Aspekt des Wanderns zurückstehen.

Wir werden allerdings großartig mit einem weiteren Highlight entschädigt, denn der Weg durch das Tal des Staffeler Bachs, welches leider durch eine längs hindurch verlaufende Hochspannungsleitung ein wenig verschandelt ist, ist in dieser Jahreszeit und bei dem sonnigen Wetter ein olfaktorisches Erlebnis allererster Güte. Soll mir noch mal einer von den Lenor-Werbefuzzis was von „Weichspüler mit dem Duft einer Sommerwiese“ erzählen! Wenn es denen gelingt, das was man hier erschnüffeln kann auf Flaschen zu ziehen, können sie es gerne noch einmal versuchen. Wenn es um Natur geht gilt immer noch: „nothing like the real thing“.

Der kleine Staffeler Bach, der sich durch die üppige Sommerwiese talwärts windet führt einmal mehr deutlich vor Augen, was unter einem Biotop zu verstehen ist, denn er bildet tatsächlich die Lebensader des Tals. Hier sehen wir zum ersten Mal wilde Schwertlilien mit ihren beeindruckend großen, gelben Blüten. Überhaupt ist die gesamte Vegetation an den Ufern des Baches sehr vielfältig. Auch die Fauna hat etwas zu bieten: überall flattern Blauflügel-Prachtlibellen herum. Die Versuche einen dieser wunderschönen Vierflügler angemessen vor die Kamera zu bekommen bleiben weitgehend erfolglos. Als sich schließlich eines der hektischen Tiere, zu unserer großen Überraschung, in aller Seelenruhe (das heißt, für ca. 5 Sekunden) auf der Hand meiner Liebsten niederlässt, bin ich leider auf der falschen Seite des Baches und damit zu weit weg für ein gutes Foto.


Kurz vor 17 Uhr, nach knapp 19 Kilo- und 740 Höhenmetern, erreichen wir, erfüllt von den wunderschönen Eindrücken des Tages und völlig tiefenentspannt wieder unser Wandermobil. Die Attraktivität der Wanderung leidet durch die Abkürzung entlang des Staffeler Bachs nicht im Geringsten. Wer sich also scheut die komplette Distanz von (nominell) 26 Kilometern zu absolvieren, kann sich hier unseren verkürzten GPS-Track herunterladen und einen ganzen Tag lang Natur pur erleben.

Im Anschluss findet Ihr, wie versprochen, alle Bilder der Tour im gewohnten Album zum Durchblättern. Wir haben jetzt noch den kompletten Sonntag zum Chillen (oder vielleicht doch noch für eine kleine, weitere Wanderung?) zur Verfügung. Einen entspannten Start in eine sonnige Woche, Euch allen.
Stay tuned!

k0erschgen



Sonntag, 4. Mai 2014

Zwei Tage auf dem Moselsteig

Ich habe gerade einen Schrecken bekommen, aber so richtig, als ich in die Zeitleiste meines Blogs geschaut, und dabei festgestellt habe, dass der letzte Post aus dem August 2013 stammt. Kinder, wie die Zeit vergeht, und wie sie manchmal einfach so durch die Finger rinnt. Natürlich waren wir auch in der Zwischenzeit viel auf Wanderstiefeln unterwegs, aber irgendwie hat immer die Zeit gefehlt all die geknipsten Fotos zu bearbeiten und in einen Blogeintrag zu verpacken. Aber ich gelobe Besserung!

Den Anlass zu dieser Wanderung gab meine Liebste, die mir zum halbrunden Geburtstag im Januar eine Übernachtung in der Remise in Neef geschenkt hatte, wo wir vor anderthalb Jahren schon einmal logiert hatten. Da wir in dieser Ecke der Mosel wohl schon alle bekannten Rundwanderungen gelaufen sind, kam mir die Idee, doch noch einmal eine Streckenwanderung zu planen. Ein sehr schöner Artikel über den Moselsteig aus der „Zeit“, über den ich vor ein paar Wochen zufällig bei facebook gestolpert war, gab dann den zweiten, zündenden Impuls zu „zwei Etappen Moselsteig mit einer Übernachtung in Neef“. Da das ÖPNV-Netz an der Mosel reibungslos funktioniert ist die Planung eine Kleinigkeit, zumindest wenn man das Lesen von Bus- und Bahnfahrplänen beherrscht. Die Etappen des Moselsteigs kann man als GPX-Tracks im Netz herunterladen, und so war der technische Teil schnell erledigt. Der Abschnitt 16 von Ediger-Eller nach Neef misst lediglich 11 Kilometer, ein wenig zu kurz also für eine Tagesetappe. Da wir am ersten Tag aber noch die Anfahrt berücksichtigen mussten, hängten wir noch ein kleines Stück der Etappe 17 Beilstein – Ediger an und starteten die Tour in Senhals. So lagen für den Samstag ca. 16 und für den Sonntag mit der Etappe 15 von Neef nach Zell noch einmal 20 Kilometer vor uns.

Das Wetter versprach zum Wochenende gerade noch die Kurve zu kriegen und sowohl der Samstag als auch der Sonntag lösten dieses Versprechen zur vollsten Zufriedenheit ein. Während der Samstag noch ein wenig wolkig und kühl, mit teilweise kräftigem, frischem Wind war, wurde es am zweiten Tag durchweg sonnig und fast sommerlich warm – ideales Wanderwetter also.

Der erste Aufstieg von Senhals verläuft moderat durch die Weinberge und führt über bewaldete Höhen, von denen man immer wieder einen Blick auf die sich durch das Tal windende Mosel, die hier beiderseits von lauschigen Flußauen flankiert wird, erhaschen kann in Richtung Ediger. Das Städtchen am linken Moselufer habe ich schon oft durchreist, sei es per Auto, per Fahrrad oder sogar vor einer gefühlten Ewigkeit per Mofa. Das Gewirr der engen Gassen mit seinen pittoresken, uralten Häusern ist ein wahres Eldorado für Romantiker. An jedem dritten Gebäude weisen kleine Tontafeln auf historische Besonderheiten aus der bewegten Geschichte des Ortes hin. Das hiesige Fremdenverkehrsbüro bietet sogar Führungen durch den Ort an – diese Erfahrung, muss ich zugeben, fehlt mir noch in meiner Sammlung.

Kurz nachdem man den angrenzenden Ortsteil Eller hinter sich gelassen hat und unter der Eisenbahnbrücke hindurch gewandert ist, liegt er gleich zur Rechten, der steilste Weinberg Europas und mein persönliches Wanderhighlight an der Mosel: der Bremmer Calmont. Es ist jetzt schon das vierte Mal dass ich dem Klettersteig in dem alten Weinberg einen Besuch abstatte, aber er fasziniert mich immer wieder, ganz besonders wegen der vielen wechselnden und atemberaubenden Ausblicke entlang des Berges und über die Moselschleife, an deren Scheitelpunkt sich der Weinort Bremm befindet. Aber auch andere Interessen werden hier bedient. Wer sich für Weinanbau interessiert kann sich hier einen sehr plakativen Eindruck von dem Begriff „Steillage“ verschaffen, die Flora besitzt einen Artenreichtum die ihresgleichen sucht und den man in einer, seit Jahrhunderten von Menschenhand geprägten Kulturlandschaft wohl kaum erwartet, und noch vieles mehr. Ein wenig Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte man freilich mitbringen, denn obwohl der Calmont kein reinrassiger Klettersteig ist, gibt es doch ein paar schwierige Stellen die es zu überwinden gilt – aber natürlich ist dank der großzügigen Ausstattung mit Leitern und Drahtseilen, alles gut ohne Klettersteiggeschirr zu meistern.

Die folgende kleine Rast in Bremm versüßten wir uns mit einem Eis, bevor es an den letzten Abschnitt des Tages ging, der uns durch flache Weingärten nach Neef führte wo das Nachtlager auf uns wartete.

Bei unserem ersten Besuch 2012 hieß das Haus noch „Gaststätte Remise“. Wir waren damals im Netz bei der Suche nach einer günstigen Unterkunft in Neef darüber gestolpert, und es hatte uns in dem kleinen Hotel, mit gemütlich eingerichteten Zimmern, einem rustikalen Frühstücks- und ehemaligen Schankraum und einem hellen, aber schattigen Biergarten schon ganz gut gefallen. Inzwischen ist das Hotel aber an neue Besitzer übergegangen, die nicht nur den Namen in „Das kleine Weinhotel“ geändert, sondern auch das Konzept des Ladens ganz ordentlich umgekrempelt haben – und das im allerpositivsten Sinne!

Bei unserer Ankunft gegen 17:00 Uhr wurden wir freundlich von der Dame des Hauses begrüßt. Sie bat uns vielmals um Entschuldigung, aber unser Zimmer sei noch nicht fertig, weil es dem vorherigen Gast nicht so gut gegangen sei, und die Abreise ein wenig nach hinten verschoben werden musste bis der Kreislauf wieder mitspielte. Absolut kein Problem für uns, so müde waren wir ja nun auch wieder nicht, nach 16 Kilometern. Wir verstauten unsere Rucksäcke im Flur und beschlossen noch ein wenig zum Moselufer zu gehen und dort die Füße im Wasser baumeln zu lassen. Als wir nach einer knappen Stunde wieder zurückkamen, lagen die Arbeiten an unserem Zimmer in den letzten Zügen und wir wurden für die verbleibenden Minuten des Wartens zu einem Getränk auf Kosten des Hauses eingeladen.

Das Zimmer, in dem wir bereits vor anderthalb Jahren logiert hatten, war kaum noch wieder zu erkennen. Die Vorbesitzerin hatte ganz offensichtlich einen ausgeprägten Hang zu „romantischer Dekoration“, oder wie der Volksmund sagt: „Nippes“. Dieses gemütliche Chaos von einst ist nun unter der neuen Führung einer schlichten, geschmackvollen Behaglichkeit gewichen, die sehr gut zu dem uralten Gemäuer passt. Im Biergarten und dem einstigen Frühstücksraum wurde ordentlich aufgeräumt, und auch kulinarisch ist nichts mehr beim Alten geblieben. Die Weinkarte führt 20 offene und insgesamt 50 Weine bester Qualität von der Mittelmosel, zum Frühstück werden allerfeinste Produkte aus der unmittelbaren Region serviert. Wir haben uns dann im Nachhinein schon ein wenig geärgert, dass wir zum Abendessen (welches auch ganz ordentlich war) in der „Blauen Traube“ am Moselufer eingekehrt waren, und nicht dem zweifellos köstlichen Kalbsschnitzel der Hausküche den Vorzug gegeben hatten – aber dazu finden wir später bestimmt noch einmal eine Gelegenheit.

Vor allem aber gibt es im „Kleinen Weinhotel“ Gastlichkeit in Reinkultur. Und das ist immer, und nur dann, der Fall, wenn die Betreiber mit Herz, Verstand und Spaß bei der Sache sind, ihren Job beherrschen und aus Überzeugung alles dafür tun, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Wir drücken jedenfalls die Daumen und wünschen den beiden viel Erfolg für ihr Vorhaben. Dass wir dort nicht zum letzen Mal gewesen sind, versteht sich von selbst!

Am nächsten Tag brachen wir relativ spät auf, zuerst musste ja das leckere Frühstück genossen werden und beim Checkout nach dem Packen, hätten wir uns mit der Besitzerin fast noch völlig verquatscht.
Über lange Treppen führte uns der Weg Stück für Stück hinauf auf den Petersberg und von dort auf den „Kälwerkopp“. Von beiden Punkten bietet sich ein toller Ausblick über die Moselschleife – diesmal allerdings „von innen“. Eine großartige Gelegenheit für ein (fast) Rundum-Panorama-Foto. Die Etappe von Neef nach Zell ist was die Wegführung anbelangt, erstaunlich abwechslungsreich. Es geht zunächst kaum durch die für die Mosel typischen Weinberge, wenn überhaupt dann eher auf Wiesenwegen darüber hinweg. Die ersten Kilometer schlängelt sich der Weg vielmehr durch schattige Laubwälder – ein Umstand, den wir aufgrund des strahlenden Wetters gerne in Kauf nahmen, denn auf dem letzten Stück vor Zell würden wir von der Nachmittagssonne sowieso noch ordentlich gegrillt werden. Ein wenig schade dass es nicht mehr Pfadanteile gibt, die meisten Wege sind breit und gut ausgebaut, aber das ist ja vielleicht auch besser so, weil man den Blick entspannter über die Landschaft schweifen lassen kann anstatt andauernd auf seine Füße schauen zu müssen.

Die gegenüber dem Morgen deutlich angestiegenen Temperaturen lockten alles hervor was Beine oder auch Flügel hat. Viele Schmetterlinge unterschiedlichster Arten (sogar einen Schwalbenschwanz) konnten wir bewundern, und natürlich die allgegenwärtigen Eidechsen, die aber kaum einmal für ein Foto posieren wollten, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt waren von einer Mauerritze in die nächste zu flitzen.

Die letzten Kilometer ging es dann direkt durch die flacheren Weinberge kurz vor Zell, wo die Rebstöcke kaum Schatten werfen, da sie im frühen Mai noch nicht viel Laub tragen. So konnte die Sonne in Zusammenarbeit mit dem Schieferboden Ihre volle Kraft entfalten und wir waren um jeden kühlenden Windhauch dankbar.

In Zell angekommen hatten wir noch ein bisschen Zeit bis uns der letzte Bus der Linie 720 (oder war es doch die 711? Egal!) zurück nach Senhals bringen sollte. Nach 20 Kilometern Strecke darf sich auch der Hunger mal zu Wort melden, und so schauten wir uns im Ort nach einer geeigneten Gaststätte um. Wir landeten schließlich in der „Schatzkammer“, ein wenig oberhalb der Hauptgeschäftsstrasse des beschaulichen Städtchens, und bekamen hier das genaue Gegenteil von gepflegter Gastronomie serviert. Schon beim Anblick des Kellners, wurde ich von Fluchtreflexen durchzuckt, denen ich besser umgehend hätte nachgegeben sollen und auch der anschließende Blick in die Karte verhieß nichts Gutes. Der gesamte erste Eindruck bestätigte sich dann auch kurze Zeit später in Gestalt eines dünnen und völlig fettig frittierten Zwiebelschnitzels, dass aber erstaunlicherweise die Konsistenz eines Salz-Crackers besaß. Auch die Soße zum "Rindergulasch mit Klößen und Rotkohl" das meine Liebste geordert hatte, konnte ihre Herkunft nur ungenügend verbergen (Maggi oder Knorr?). Manchmal sollte man einfach aufstehen und wieder gehen, aber man kann ja nicht immer gewinnen.

Wir bedachten den Kellner für die Überbringung dieser kulinarische Meisterleistung mit einem satten Trinkgeld in Höhe von dreißig Cent und schlenderten anschließend noch ein bisschen durch Zell, über die Fußgängerbrücke hoch über der Mosel nach Kaimt und zurück, bis endlich der Bus eintraf, der uns zurück nach Senhals brachte. Wenn man eine Streckenwanderung an der Mosel macht und anschließend mit dem Bus zum Ausgangspunkt zurückfährt, hat man den lustigen Effekt, dass man quasi „im Zeitraffer rückwärts“ noch einmal einige der Ecken, die man zuvor bewandert hat zu sehen bekommt. Vielleicht ist das der Grund warum diese Wanderungen immer so gut im Kopf hängen bleiben. Vermutlich liegt es aber mehr an der großartigen Landschaft des Moseltals, die wohl jeden Wanderer sofort in ihren Bann zieht.

Das waren jetzt nur zweieinhalb der insgesamt 24 Etappen des Moselsteigs, es bleibt also noch genügend Stoff für weitere tolle Wanderungen auf diesem Weg, und natürlich den einen oder anderen Blogartikel.

Eine schöne Woche, Euch allen!
Stay tuned!
k0erschgen







Mittwoch, 31. Juli 2013

Rückzug am Beinn Alligin

In aller Regel, versuche ich meine Wanderungen recht zügig nach der Heimkehr zu bloggen weil dann die Erinnerungen und Eindrücke auch in Details noch sehr präsent sind. Diesmal war es ein wenig anders, denn ich habe recht lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Blogeintrag überhaupt schreiben will, und was wohl der Inhalt sein würde. Denn diesmal gibt es nur wenige Eindrücke von tollen Landschaften im üblichen Sinne, keine lauschigen Waldpfade und sanfte Hügel – es gibt zudem auch nur sehr wenige Fotos. Diesmal wird es rau, stürmisch und vordergründig ein wenig beängstigend – was in keinster Weise bedeuten soll, dass wir keinen Spaß gehabt hätten, nur irgendwie … anders.

Vor einer knappen Woche hatten wir uns aufgemacht unseren ersten Munro zu besteigen und mussten, nachdem uns ein Gewitter einen gehörigen Schrecken versetzt hatte, noch beim Aufstieg auf den Ridge abbrechen. Heute hatten wir uns, nach eingehender Konsultation der Wetterlage, aufgemacht um den nächsten Versuch zu starten. Gut gerüstet und verpflegt, starteten wir um kurz vor elf vom Wanderparkplatz an der Mitte des Outer Loch Torridon in Richtung Aufstieg. Da wir die Umgebung bis dorthin schon von unserem ersten Versuch kannten, wurde nicht fotografiert, und dank unseres zügigen Tempos, saßen wir bereits nach einer Stunde am Fuße des Berges bei einer kleinen Rast.

Von Gewittern war weit und breit nichts zu sehen, allerdings lag auch die Wettervorhersage mal wieder ziemlich daneben, denn die Sonne lugte nur selten, und nur an wenigen Stellen durch die Wolkendecke. Der Berg, den wir vor uns hatten, lag – wie auch schon bei unserem ersten Besuch – in ziemlich dichten Nebel gehüllt. Allerdings wehte ein frischer bis kräftiger Wind, der die Wolken- und Nebelfetzen schnell um die beiden Gipfel trieb. Wir hofften darauf, dass sich der Nebel in wenigen Stunden verziehen würde.

Mit frischem Mut machten wir uns an den Aufstieg und erkletterten zügig und sicher das erste, steile Stück in Richtung Ridge. Die Kids kletterten sehr konzentriert, gewandt und mit der nötigen Portion Vorsicht die mitunter einen knappen Meter spannenden Stufen aufwärts. Ungefähr auf 500 Metern Höhe, knapp oberhalb der Stelle, an der wir unseren ersten Versuch abgebrochen hatten, bekamen wir einen etwas längeren, leichten Schauer ab, der in Verbindung mit dem Wind ein wenig unangenehm war. Hinter einem größeren Felsen suchten wir Schutz vor den seitlich aufschlagenden Regentropfen und legten eine kurze Essenspause ein.

Nachdem sich der Regen verzogen hatte, ging es weiter, nun über etwas einfacheres und flacheres Terrain. Wir begegneten einem Mann der mit seinem ca. 10-jährigen Sohn die Strecke in umgekehrter Richtung zurücklegte. Wir befragten ihn nach dem weiteren Wegverlauf und bekamen die Antwort: „The way that you have already passed is by far the steepest part, the rest is easy“. Hm, das klang ja viel versprechend. Wie das Wetter auf den Gipfeln denn wäre, wollten wir natürlich auch wissen. „Oh, just the same as it is here. I´ve been up on this mountain for the second time now, but I never saw the ground!”. Hm, nicht so dolle, also. Dennoch zogen wir weiter in Richtung der Nebelgrenze, deren erste Ausläufer uns schon umwaberten. Der Nebel gestaltete sich von innen gar nicht so undurchsichtig wie es von außen anmutete. Die Sichtweite lag irgendwo zwischen zwanzig und dreißig Metern, und da der Pfad immer noch einwandfrei zu erkennen war und wir außerdem den Track auf dem GPS-Gerät hatten, drohte keine Gefahr sich zu verlaufen. Der Wind war inzwischen deutlich kräftiger und wir hegten die leise Hoffnung, dass er das Nebelwetter bald vertreiben könnte - zunächst half er aber schon einmal dabei, die nassen Hosenbeine wieder zu trocknen.

So erreichten wir tatsächlich kurze Zeit später den Ridge auf ungefähr 750 Metern Höhe und begegneten dort einer weiteren, vierköpfigen Wandergruppe. Sie hätten sich dieses Mal den Weg über die Horns (das sind drei kleinere Felserhebungen auf dem Ridge) erspart und wären stattdessen auf dem schmalen Pfad südlich des Grats gewandert. Der Pfad sei hier und da etwas schlammig und nur ca. 30 Zentimeter breit, aber in jedem Fall einfacher zu begehen als der Kletterpfad über die Horns. In jedem Fall würde man das „up and down“ vermeiden und trotzdem rechtzeitig wieder auf den Hauptpfad zum Sgurr Mhor treffen. Wir bedankten uns, wünschten einen guten Tag und setzten unseren Weg in Richtung Gipfel fort. Ein ca. 45-jähriger Mann aus der Gruppe nickte mir kurz noch zu und raunte mir zu: „Watch your steps!“. Dann zogen die vier weiter in Richtung Abstieg. Rückblickend wird mir klar, dass dieser knappe Satz des Wanderkollegen mich bereits ein wenig in Alarmbereitschaft versetzte. Ich ermahnte die Kids noch einmal nachdrücklich, sich sehr aufmerksam auf den Weg zu konzentrieren und setzte mich ausnahmsweise an den Kopf unseres kleinen Zuges um den vor uns liegenden Weg zu erkunden.

Die Nebelsuppe war unterdessen noch etwas dichter geworden. Zwar war immer noch reichlich Sicht vorhanden, allerdings nun nur noch ca. 15 Meter weit. Der wirklich sehr schmale Pfad wand sich ca. 10 bis 20 Meter unterhalb des Ridge am Hang vorbei, der links von uns mit ungefähr 50° abfiel. Die Schwierigkeit des Pfades war, abgesehen von ganz wenigen, einfachen Kletterstellen, ein Klacks und die Passage eigentlich völlig ungefährlich. Nur der ungewisse, durch den Nebel überhaupt nicht einsehbare Abgrund gab dem Ganzen einen etwas unheimlichen Touch, der vor allem bei meiner Liebsten eine leichte, aber nicht zu vernachlässigende Höhenangst auslöste. Auch meiner ältesten Tochter wurde es etwas mulmig zumute. Behutsam und vorsichtig setzten wir den Weg fort. Nach einer Weile erreichten wir wieder den etwas breiteren Hauptpfad und schließlich ein kleines Joch vor dem Aufstieg zum Sgurr Mhor. Hier herrschte, im Gegensatz zum bisherigen Wegverlauf, fast völlige Windstille. Da es zudem nicht regnete ein ausgezeichneter Platz für eine kleine Rast. Laut GPS-Track musste der erste Gipfel nun unmittelbar vor uns liegen. Wir packten unsere Rucksäcke, verließen den Rastplatz in Richtung Westen und erblickten nach wenigen Schritten den felsigen Weg nach oben.

Hier nun erhält unsere kleine Geschichte die, bei genauerer Betrachtung, nicht unvorsehbare Wendung. Beim Anblick des felsigen Aufstiegs zum Gipfel, der sich da so langsam aus dem Nebel schälte, bekam ich ein irgendwie seltsames Gefühl in der Magengegend. Da ich gelernt habe, mein Bauchgefühl nicht zu ignorieren, hielt ich inne und schaute mich zum Rest der Gruppe um. Der Ausdruck in den Gesichtern sprach eine allzu deutliche Sprache – so richtig überzeugt war von unserem Vorhaben offensichtlich niemand mehr. Während ich noch versuchte, mein „gutt feeling“ zu deuten, fragte ich in die Runde, ob wir weitergehen sollten. Die Antwort war so gut wie einstimmig: Abbruch! Die Tatsache, dass wir durch den Nebel überhaupt keine Chance hatten den weiteren Wegverlauf über die nächsten paar Meter hinaus zu beurteilen, die deutlich gesunkene Moral der Expeditionsteilnehmer und die mittlerweile doch schon vorgerückte Stunde machten mir die Entscheidung ziemlich leicht. Wir blieben noch eine kurze Weile auf dem Joch um die Tatsachen zu verdauen. Aus Richtung des Gipfels näherten sich Stimmen. Eine weitere Wandergruppe, die den Weg über die beiden Gipfel gerade hinter sich hatte. In dem folgenden, kurzen Gespräch brachten wir in Erfahrung, dass die Sicht sich auch auf dem Gipfel nicht ändern würde. Wir ließen der Gruppe noch ein wenig Vorsprung und machten uns, etwas niedergeschlagen, auf den Rückweg.

Die Stimmung besserte sich erst wieder merklich, als wir den Rand des Abstiegs ins Tal, und damit auch die Nebelgrenze wieder erreichten. Hier trafen wir abermals auf eine andere Wandergruppe, die sich auf dem Sattel niedergelassen hatte um mit Karte und GPS einen Weg hinab zu planen. Ein drahtiger Vierziger der mit drei Jugendlichen auf einer kleinen Klettertour unterwegs war. Wir hielten einen netten Plausch, sammelten noch ein paar Tipps zu etwas leichteren Munro-Touren und schickten uns an, den Hang zwischen Tal und Ridge zum vierten Mal zu passieren.

Der Abstieg ging zügig und sicher vonstatten, wenn uns auch die zuletzt angetroffene Wandergruppe recht schnell ein- und auch überholt hatte. Drei Kilometer und einen kleinen Regenschauer später, erreichten wir wieder den waldigen Abschnitt in der Nähe des Wanderparkplatzes. Spätestens hier, im fast windstillen Tal, bewährten sich die Moskitonetze die wir am vorvergangenen Tag in einem Outdoorshop in Edinburgh gekauft hatten. Bis wir am Auto ankamen, hüllten dichte Mückenwolken unsere gut geschützten Häupter ein. Mittlerweile strategisch erfahren in der Ungezieferabwehr, brauchte es nur wenige Handgriffe um das Gepäck in den Kofferraum zu befördern, die Schuhe zu wechseln und im Wagen Platz zu nehmen. Dann traten wir, die Fenster weit geöffnet, damit die Zugluft die eingedrungenen Mücken vertreiben konnte, die Rückfahrt nach Erchless Castle an.

Wenn ich abergläubisch (oder gläubig, oder was auch immer) wäre, wäre ich möglicherweise zu der Überzeugung gelangt, dass irgendeine höhere Macht nicht will dass wir auf diesen Berg steigen. Da ich mir aber einbilde mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität zu stehen, sehe ich es als das was es wahrscheinlich war: der falsche Ort zur falschen Zeit, oder vielleicht ganz schlicht, schlechtes Wetter. Was mich allerdings immer noch beschäftigt, ist dieses seltsame Bauchgefühl, dass sich in mir beim Anblick des Aufstiegs zum Sgurr Mhor ausgebreitet hatte. Obwohl die gesamte Tour zu keiner Zeit wirklich bedrohlich war - alle sind umsichtig und sicher geklettert, wir hatten keine Gefahr uns zu verlaufen, genügend Proviant und Wasser dabei und das bis dahin passierte Terrain war nüchtern betrachtet eher ungefährlich - hatte ich an diesem Punkt plötzlich und völlig unerwartet einen Heidenrespekt vor dem bekommen was da vielleicht noch auf uns warten würde. Rückblickend ist mir allerdings klar geworden, dass wir zu diesem Zeitpunkt definitiv am Limit angekommen waren, und das nicht mal physisch, sondern viel eher mental. Unsere Kraft hätte vermutlich locker gereicht für den weiteren Weg über die beiden Gipfel und auch für den Abstieg auf der anderen Seite, aber weitere Unsicherheiten oder andere, zusätzliche Belastungen, hätten uns vielleicht in eine bedrohlichere Situation bringen können. Vermutlich war dieses Gefühl in meinem Bauch ganz einfach die Angst vor Überforderung.

So bin ich heute, nach einem Tag Abstand, wieder mit dem Beinn Alligin versöhnt. Es tut mir nicht leid, dass wir die Tour abgebrochen haben – es hätte ja sowieso nichts zu sehen gegeben und die Höhenmeter-Statistik kann man auch anders befüllen. Vielmehr bin ich sehr dankbar dafür, dass meine Instinkte offenbar noch gut funktionieren, und mir im vermutlich entscheidenden Moment den richtigen Impuls geben konnten. Mein höchster Respekt gebührt vor allem meinen Wandergefährten, in Person meiner beiden Töchter, die mich, wenn´s nach draußen geht, immer wieder aufs Neue mit ihrer unfassbaren Power zu überraschen wissen, meiner nervenstarken Liebsten, die ihre aufkeimende Höhenangst trotz der unheimlichen Situation gut in den Griff bekam und nicht zuletzt ihrem Sohn, der uns heute vor allem auf dem ersten Teil des „Rückzugs“ eine große Hilfe war, weil er beständig und aufmerksam dafür sorgte, dass wir nicht zu weit auseinander fielen, während ich das Schlusslicht bildete.

Ein paar Tage bleiben uns noch, aber die Wettervorhersage ist nicht gerade rosig, so dass wir wahrscheinlich keinen weiteren Versuch mehr starten werden, einen Munro zu erobern. Aber so wie es aussieht, war das nicht unser letzter Urlaub in Schottland.

Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit, und dass Eure Sinne immer wachsam bleiben mögen.
Stay tuned …
k0erschgen










Freitag, 26. Juli 2013

Epic Fail am Beinn Alligin

„Ihr bleibt ja nur im Tal, da liegen doch so viele tolle Munros in der Nähe“ hatte mein ehemaliger Kollege und höchst erfahrener Munrobagger Frank auf meinen Facebook-Post mit der Loch Affric Tour geantwortet. Hmm, Recht hat er. Wenn man schon in den Highlands unterwegs ist, muss man wahrscheinlich auch einmal den Ausblick von einem dieser hohen Berge genossen haben. Da es neben seiner eigenen Website www.bgmb.de (sehr schöne Bilder, übrigens!) auch noch viele andere Seiten rund um die Munros gibt, ist es kein Problem sich entsprechende Informationen zu beschaffen. Als ersten Wurf eines Plans hatte ich zwei Gipfel des Berges Liathach am Nordufer des Loch Torridon ausgesucht. Zehn Kilometer Rundwanderung, ca. 1100 Meter Gesamtanstieg. Auf meine Rückfrage nach der Begehbarkeit des Ridge zwischen den beiden Gipfeln meinte Frank allerdings: „Uiih, sehr, sehr steiler Anstieg! Wenn Du Dir nicht sicher bist, einfach auf einen der Nachbarberge ausweichen“. Gute Ratschläge von erfahrenen Fachleuten sollte man beherzigen, und so wurde es dann eine ebenso zehn Kilometer lange Runde auf den etwas leichteren und niedrigeren Beinn Alligin, der mit seinen zwei Gipfeln Sgurr Mhor (983 Meter) und  Tom na Grugaich (924 Meter) für unsere erste Bergtour in den Highlands herhalten sollte.

Gut anderthalb Stunden dauerte die Anfahrt. Das Wetter war als wechselhaft angekündigt, und dieser Eindruck bestätigte sich, je weiter wir nach Nordwesten vorankamen. Als wir endlich Loch Torridon erreichten konnten wir den zuerst anvisierten Berg in Augenschein nehmen. Uff, das sah wirklich verdammt steil aus. Zudem lagen die beiden Gipfel noch tief in den Wolken verborgen. Wir hielten am Wanderparkplatz, warteten noch kurz einen kleinen Schauer ab und machten uns auf den Weg durch einen lichten Kiefernwald zum Anstieg auf den Ridge am östlichen Eck des Berges.

Einem anderen guten Rat folgend hatten wir uns einen Tag vorher im „Highland Soap Shop“ in Fort William mit einer Lotion namens „Bog Myrtle“ gegen die Midges versorgt, nachdem wir einige erfolglose Versuche gestartet hatten „Skin so soft“ von Avon zu bekommen. Nach edlen Kräutern duftend, hatten wir für die Midges heute wohl tatsächlich unsere appetitanregende Wirkung verloren. Sie flogen zwar öfters einmal an, hielten es jedoch nicht allzu lange in unserer Gegenwart aus – Kulturbanausen!

Der Weg führte leicht aber stetig aufwärts über einen gewundenen, gut befestigten Pfad in Richtung Beinn Alligin. Die Ausblicke die wir hier hatten waren den weiten Weg schon fast wert, was würde sich wohl für ein Panorama von den Gipfeln bieten? Der einzige Punkt der uns ein wenig Sorgen machte, befand sich ca. 7 Kilometer weiter östlich. Dort, ungefähr am Beinn Eighe, hingen noch die Reste eines Gewitters das sich in längeren Abständen durch ein leichtes Wetterleuchten und fernes Donnergrollen bemerkbar machte. Wir beschlossen, die Angelegenheit im Auge zu behalten und hofften darauf, dass es sich  bald verziehen würde. Der landeinwärts wehende Wind brachte in jedem Fall deutlich lockerere Wolken mit sich und so setzten wir unseren Weg in ruhigem Tempo fort. Eine Ansammlung großer Steine die von der leichten Brise umflutet wurden bot uns nach ca. 4 Kilometern Gelegenheit für eine längere Rast bevor das Terrain steiler wurde. Der weitere Weg auf den Berg war von hier aus noch nicht zu erkennen, aber das es aufwärts gehen würde, war uns ja schon irgendwie klar.

Dann standen wir relativ schnell vor dem steilen Anstieg auf den Berg und uns wurde bewusst, dass jetzt wohl ein wenig Klettern angesagt war. Die Kids zögerten keine Sekunde und nahmen den Hang beherzt in Angriff. Der Weg war ab hier sehr gut erkennbar, er führte über eine Art natürliche Treppe aus Sandsteinblöcken mit ca. 45° Steigung nach oben. Der Vergleich mit einer Treppe hinkt natürlich ein wenig, weil hier das normgerechte Verhältnis zwischen Stufenhöhe und Auftritt vom Architekten nicht so ganz konsequent umgesetzt war – an einigen Stellen mussten wir uns doch schon ein wenig strecken. Alles in allem aber trotzdem gut zu bewältigen, insbesondere weil der Sandstein auch in leicht nassem Zustand vergleichsweise guten Grip bietet.

Der Aufstieg war dennoch ganz schön anstrengend. Auf einem kleinen Sattel angekommen, beschlossen wir eine kurze Rast zu machen um etwas zu trinken und den strapazierten Knochen eine kleine Pause zu gönnen, da passierte es: Fast völlig aus dem Nichts ein Blitz! Nicht besonders heftig - aber der ca. 4 Sekunden darauf folgende Donner ließ keinen Zweifel, dass das Gewitter sich offensichtlich schlagartig in unsere Richtung verlagert hatte. Die Entscheidung die Tour abzubrechen benötigte keine weiteren 4 Sekunden. Auf dem Berg möglicherweise in schlechtes Wetter zu geraten ist keine wirklich ermutigende Perspektive. So ein Mist! Zügig aber ohne Hast machten wir uns wieder an den Abstieg, nahmen seufzend jeden einzelnen Tritt den wir erklommen hatten wieder abwärts und hofften, dass das Unwetter nicht noch näher kommen würde.

Unsere Hoffnung sollte sich auf ironische Art bald bestätigen, denn der Blitz, der uns zum Aufgeben zwang war der letzte den dieses Gewitter zu bieten hatte. Als wir wieder einen Blick durch das Tal in Richtung Beinn Eighe werfen konnten, hatten sich dort die dunklen Wolken komplett verzogen und waren einem weißen, lichten Hochnebel gewichen. Trotzdem war die Entscheidung die Tour abzubrechen die einzig richtige, und ich würde sie in ähnlichen Situation jederzeit wieder genauso treffen.

Der Rückweg wartete mit weiteren Überraschungen auf. Es hatte leicht zu regnen begonnen, und die frische Brise hatte sich komplett irgendwo anders hin verkrümelt. Schwüle Luft lag über dem Tal - ideale Bedingungen also für fliegendes Getier aller Art. Die Midges ließen uns zwar in Ruhe, hatten aber die Infanterie in Gestalt winziger Mücken voran geschickt, die sich offenbar einen Dreck um „Bog Myrtle“ scherten. „You will need them. £3 each“ stand auf dem Schild das ich am Vortag in einem kleinen Anglerladen in Fort William unter der Auslage mit den Moskitonetzen gesehen, und leicht belächelt hatte. Ich weiß auch nicht, warum mir dieser Slogan gerade jetzt wieder in den Sinn kam.

Schlagend und wedelnd, abwechselnd wischend und spuckend (weil die Biester vornehmlich in kopfnahen Körperöffnungen Schutz vor dem Regen suchten) gingen wir unseren Weg zurück in Richtung Parkplatz um eine weitere, eindrucksvolle Erfahrung reicher. Wir verzogen uns so schnell es ging ins Auto und fuhren die Straße in Richtung Diabaigh und weiter zur Küste, in der Erwartung dass wir dort bei einer frischen Brise etwas verschnaufen könnten. Aber weit gefehlt, auch dort hatten die Mücken alles fest im Griff und so genossen wir wenigstens die luftige Fahrt über die abenteuerliche Straße entlang des Outer Loch Torridon und nutzen den Fahrtwind, der uns half die ins Auto eingedrungenen Plagegeister endgültig loszuwerden.

Irgendwie hatte ich mir den Tag deutlich anders vorgestellt: statt erhabener Blicke über die schottischen Highlands erlebten wir eine vernichtende Niederlage durch einen einzigen Blitz und viele Millionen kleine Infanteristen. Vergessen werden wir diese Tour aber garantiert nicht so schnell. Beinn Alligin, wir kommen wieder, dann vielleicht etwas seltsam gewandet, mit Hüten und lustigen Moskitonetzen auf dem Haupt, aber das ist mir dann so was von egal …

Stay tuned
K0erschgen