Nicht jeden Tag unseres diesjährigen Urlaubs waren wir auf ausgedehnten Wanderungen unterwegs. Hin und wieder hat es auch mal geregnet so dass ein wenig Zeit zum Chillen blieb, oder wir haben aus dem sehr zentralen Perthshire den einen oder anderen Abstecher gemacht. Dabei ging es buchstäblich von Küste zu Küste. Edinburg und Arbroath (nahe Aberdeen) an der Nordsee und Oban am Atlantik standen auf dem Programm. Dazu noch der eine oder andere Spaziergang oder Ausflug in die nähere Umgebung.
Dabei sind jede Menge Fotos entstanden und die besten möchte ich Euch nicht vorenthalten. Das Kamera-Equipment ist mittlerweile ein wenig professioneller geworden und so erweitern sich auch die fotografischen Möglichkeiten.
Viel Spaß beim Gucken!
Stay tuned
k0erschgen
Sonntag, 4. Mai 2014
Zwei Tage auf dem Moselsteig
Ich habe gerade einen Schrecken bekommen, aber so richtig, als ich in die Zeitleiste meines Blogs geschaut, und dabei festgestellt habe, dass der letzte Post aus dem August 2013 stammt. Kinder, wie die Zeit vergeht, und wie sie manchmal einfach so durch die Finger rinnt. Natürlich waren wir auch in der Zwischenzeit viel auf Wanderstiefeln unterwegs, aber irgendwie hat immer die Zeit gefehlt all die geknipsten Fotos zu bearbeiten und in einen Blogeintrag zu verpacken. Aber ich gelobe Besserung!
Den Anlass zu dieser Wanderung gab meine Liebste, die mir zum halbrunden Geburtstag im Januar eine Übernachtung in der Remise in Neef geschenkt hatte, wo wir vor anderthalb Jahren schon einmal logiert hatten. Da wir in dieser Ecke der Mosel wohl schon alle bekannten Rundwanderungen gelaufen sind, kam mir die Idee, doch noch einmal eine Streckenwanderung zu planen. Ein sehr schöner Artikel über den Moselsteig aus der „Zeit“, über den ich vor ein paar Wochen zufällig bei facebook gestolpert war, gab dann den zweiten, zündenden Impuls zu „zwei Etappen Moselsteig mit einer Übernachtung in Neef“. Da das ÖPNV-Netz an der Mosel reibungslos funktioniert ist die Planung eine Kleinigkeit, zumindest wenn man das Lesen von Bus- und Bahnfahrplänen beherrscht. Die Etappen des Moselsteigs kann man als GPX-Tracks im Netz herunterladen, und so war der technische Teil schnell erledigt. Der Abschnitt 16 von Ediger-Eller nach Neef misst lediglich 11 Kilometer, ein wenig zu kurz also für eine Tagesetappe. Da wir am ersten Tag aber noch die Anfahrt berücksichtigen mussten, hängten wir noch ein kleines Stück der Etappe 17 Beilstein – Ediger an und starteten die Tour in Senhals. So lagen für den Samstag ca. 16 und für den Sonntag mit der Etappe 15 von Neef nach Zell noch einmal 20 Kilometer vor uns.
Das Wetter versprach zum Wochenende gerade noch die Kurve zu kriegen und sowohl der Samstag als auch der Sonntag lösten dieses Versprechen zur vollsten Zufriedenheit ein. Während der Samstag noch ein wenig wolkig und kühl, mit teilweise kräftigem, frischem Wind war, wurde es am zweiten Tag durchweg sonnig und fast sommerlich warm – ideales Wanderwetter also.
Der erste Aufstieg von Senhals verläuft moderat durch die Weinberge und führt über bewaldete Höhen, von denen man immer wieder einen Blick auf die sich durch das Tal windende Mosel, die hier beiderseits von lauschigen Flußauen flankiert wird, erhaschen kann in Richtung Ediger. Das Städtchen am linken Moselufer habe ich schon oft durchreist, sei es per Auto, per Fahrrad oder sogar vor einer gefühlten Ewigkeit per Mofa. Das Gewirr der engen Gassen mit seinen pittoresken, uralten Häusern ist ein wahres Eldorado für Romantiker. An jedem dritten Gebäude weisen kleine Tontafeln auf historische Besonderheiten aus der bewegten Geschichte des Ortes hin. Das hiesige Fremdenverkehrsbüro bietet sogar Führungen durch den Ort an – diese Erfahrung, muss ich zugeben, fehlt mir noch in meiner Sammlung.
Kurz nachdem man den angrenzenden Ortsteil Eller hinter sich gelassen hat und unter der Eisenbahnbrücke hindurch gewandert ist, liegt er gleich zur Rechten, der steilste Weinberg Europas und mein persönliches Wanderhighlight an der Mosel: der Bremmer Calmont. Es ist jetzt schon das vierte Mal dass ich dem Klettersteig in dem alten Weinberg einen Besuch abstatte, aber er fasziniert mich immer wieder, ganz besonders wegen der vielen wechselnden und atemberaubenden Ausblicke entlang des Berges und über die Moselschleife, an deren Scheitelpunkt sich der Weinort Bremm befindet. Aber auch andere Interessen werden hier bedient. Wer sich für Weinanbau interessiert kann sich hier einen sehr plakativen Eindruck von dem Begriff „Steillage“ verschaffen, die Flora besitzt einen Artenreichtum die ihresgleichen sucht und den man in einer, seit Jahrhunderten von Menschenhand geprägten Kulturlandschaft wohl kaum erwartet, und noch vieles mehr. Ein wenig Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte man freilich mitbringen, denn obwohl der Calmont kein reinrassiger Klettersteig ist, gibt es doch ein paar schwierige Stellen die es zu überwinden gilt – aber natürlich ist dank der großzügigen Ausstattung mit Leitern und Drahtseilen, alles gut ohne Klettersteiggeschirr zu meistern.
Die folgende kleine Rast in Bremm versüßten wir uns mit einem Eis, bevor es an den letzten Abschnitt des Tages ging, der uns durch flache Weingärten nach Neef führte wo das Nachtlager auf uns wartete.
Bei unserem ersten Besuch 2012 hieß das Haus noch „Gaststätte Remise“. Wir waren damals im Netz bei der Suche nach einer günstigen Unterkunft in Neef darüber gestolpert, und es hatte uns in dem kleinen Hotel, mit gemütlich eingerichteten Zimmern, einem rustikalen Frühstücks- und ehemaligen Schankraum und einem hellen, aber schattigen Biergarten schon ganz gut gefallen. Inzwischen ist das Hotel aber an neue Besitzer übergegangen, die nicht nur den Namen in „Das kleine Weinhotel“ geändert, sondern auch das Konzept des Ladens ganz ordentlich umgekrempelt haben – und das im allerpositivsten Sinne!
Bei unserer Ankunft gegen 17:00 Uhr wurden wir freundlich von der Dame des Hauses begrüßt. Sie bat uns vielmals um Entschuldigung, aber unser Zimmer sei noch nicht fertig, weil es dem vorherigen Gast nicht so gut gegangen sei, und die Abreise ein wenig nach hinten verschoben werden musste bis der Kreislauf wieder mitspielte. Absolut kein Problem für uns, so müde waren wir ja nun auch wieder nicht, nach 16 Kilometern. Wir verstauten unsere Rucksäcke im Flur und beschlossen noch ein wenig zum Moselufer zu gehen und dort die Füße im Wasser baumeln zu lassen. Als wir nach einer knappen Stunde wieder zurückkamen, lagen die Arbeiten an unserem Zimmer in den letzten Zügen und wir wurden für die verbleibenden Minuten des Wartens zu einem Getränk auf Kosten des Hauses eingeladen.
Das Zimmer, in dem wir bereits vor anderthalb Jahren logiert hatten, war kaum noch wieder zu erkennen. Die Vorbesitzerin hatte ganz offensichtlich einen ausgeprägten Hang zu „romantischer Dekoration“, oder wie der Volksmund sagt: „Nippes“. Dieses gemütliche Chaos von einst ist nun unter der neuen Führung einer schlichten, geschmackvollen Behaglichkeit gewichen, die sehr gut zu dem uralten Gemäuer passt. Im Biergarten und dem einstigen Frühstücksraum wurde ordentlich aufgeräumt, und auch kulinarisch ist nichts mehr beim Alten geblieben. Die Weinkarte führt 20 offene und insgesamt 50 Weine bester Qualität von der Mittelmosel, zum Frühstück werden allerfeinste Produkte aus der unmittelbaren Region serviert. Wir haben uns dann im Nachhinein schon ein wenig geärgert, dass wir zum Abendessen (welches auch ganz ordentlich war) in der „Blauen Traube“ am Moselufer eingekehrt waren, und nicht dem zweifellos köstlichen Kalbsschnitzel der Hausküche den Vorzug gegeben hatten – aber dazu finden wir später bestimmt noch einmal eine Gelegenheit.
Vor allem aber gibt es im „Kleinen Weinhotel“ Gastlichkeit in Reinkultur. Und das ist immer, und nur dann, der Fall, wenn die Betreiber mit Herz, Verstand und Spaß bei der Sache sind, ihren Job beherrschen und aus Überzeugung alles dafür tun, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Wir drücken jedenfalls die Daumen und wünschen den beiden viel Erfolg für ihr Vorhaben. Dass wir dort nicht zum letzen Mal gewesen sind, versteht sich von selbst!
Am nächsten Tag brachen wir relativ spät auf, zuerst musste ja das leckere Frühstück genossen werden und beim Checkout nach dem Packen, hätten wir uns mit der Besitzerin fast noch völlig verquatscht.
Über lange Treppen führte uns der Weg Stück für Stück hinauf auf den Petersberg und von dort auf den „Kälwerkopp“. Von beiden Punkten bietet sich ein toller Ausblick über die Moselschleife – diesmal allerdings „von innen“. Eine großartige Gelegenheit für ein (fast) Rundum-Panorama-Foto. Die Etappe von Neef nach Zell ist was die Wegführung anbelangt, erstaunlich abwechslungsreich. Es geht zunächst kaum durch die für die Mosel typischen Weinberge, wenn überhaupt dann eher auf Wiesenwegen darüber hinweg. Die ersten Kilometer schlängelt sich der Weg vielmehr durch schattige Laubwälder – ein Umstand, den wir aufgrund des strahlenden Wetters gerne in Kauf nahmen, denn auf dem letzten Stück vor Zell würden wir von der Nachmittagssonne sowieso noch ordentlich gegrillt werden. Ein wenig schade dass es nicht mehr Pfadanteile gibt, die meisten Wege sind breit und gut ausgebaut, aber das ist ja vielleicht auch besser so, weil man den Blick entspannter über die Landschaft schweifen lassen kann anstatt andauernd auf seine Füße schauen zu müssen.
Die gegenüber dem Morgen deutlich angestiegenen Temperaturen lockten alles hervor was Beine oder auch Flügel hat. Viele Schmetterlinge unterschiedlichster Arten (sogar einen Schwalbenschwanz) konnten wir bewundern, und natürlich die allgegenwärtigen Eidechsen, die aber kaum einmal für ein Foto posieren wollten, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt waren von einer Mauerritze in die nächste zu flitzen.
Die letzten Kilometer ging es dann direkt durch die flacheren Weinberge kurz vor Zell, wo die Rebstöcke kaum Schatten werfen, da sie im frühen Mai noch nicht viel Laub tragen. So konnte die Sonne in Zusammenarbeit mit dem Schieferboden Ihre volle Kraft entfalten und wir waren um jeden kühlenden Windhauch dankbar.
In Zell angekommen hatten wir noch ein bisschen Zeit bis uns der letzte Bus der Linie 720 (oder war es doch die 711? Egal!) zurück nach Senhals bringen sollte. Nach 20 Kilometern Strecke darf sich auch der Hunger mal zu Wort melden, und so schauten wir uns im Ort nach einer geeigneten Gaststätte um. Wir landeten schließlich in der „Schatzkammer“, ein wenig oberhalb der Hauptgeschäftsstrasse des beschaulichen Städtchens, und bekamen hier das genaue Gegenteil von gepflegter Gastronomie serviert. Schon beim Anblick des Kellners, wurde ich von Fluchtreflexen durchzuckt, denen ich besser umgehend hätte nachgegeben sollen und auch der anschließende Blick in die Karte verhieß nichts Gutes. Der gesamte erste Eindruck bestätigte sich dann auch kurze Zeit später in Gestalt eines dünnen und völlig fettig frittierten Zwiebelschnitzels, dass aber erstaunlicherweise die Konsistenz eines Salz-Crackers besaß. Auch die Soße zum "Rindergulasch mit Klößen und Rotkohl" das meine Liebste geordert hatte, konnte ihre Herkunft nur ungenügend verbergen (Maggi oder Knorr?). Manchmal sollte man einfach aufstehen und wieder gehen, aber man kann ja nicht immer gewinnen.
Wir bedachten den Kellner für die Überbringung dieser kulinarische Meisterleistung mit einem satten Trinkgeld in Höhe von dreißig Cent und schlenderten anschließend noch ein bisschen durch Zell, über die Fußgängerbrücke hoch über der Mosel nach Kaimt und zurück, bis endlich der Bus eintraf, der uns zurück nach Senhals brachte. Wenn man eine Streckenwanderung an der Mosel macht und anschließend mit dem Bus zum Ausgangspunkt zurückfährt, hat man den lustigen Effekt, dass man quasi „im Zeitraffer rückwärts“ noch einmal einige der Ecken, die man zuvor bewandert hat zu sehen bekommt. Vielleicht ist das der Grund warum diese Wanderungen immer so gut im Kopf hängen bleiben. Vermutlich liegt es aber mehr an der großartigen Landschaft des Moseltals, die wohl jeden Wanderer sofort in ihren Bann zieht.
Das waren jetzt nur zweieinhalb der insgesamt 24 Etappen des Moselsteigs, es bleibt also noch genügend Stoff für weitere tolle Wanderungen auf diesem Weg, und natürlich den einen oder anderen Blogartikel.
Eine schöne Woche, Euch allen!
Stay tuned!
k0erschgen





















Den Anlass zu dieser Wanderung gab meine Liebste, die mir zum halbrunden Geburtstag im Januar eine Übernachtung in der Remise in Neef geschenkt hatte, wo wir vor anderthalb Jahren schon einmal logiert hatten. Da wir in dieser Ecke der Mosel wohl schon alle bekannten Rundwanderungen gelaufen sind, kam mir die Idee, doch noch einmal eine Streckenwanderung zu planen. Ein sehr schöner Artikel über den Moselsteig aus der „Zeit“, über den ich vor ein paar Wochen zufällig bei facebook gestolpert war, gab dann den zweiten, zündenden Impuls zu „zwei Etappen Moselsteig mit einer Übernachtung in Neef“. Da das ÖPNV-Netz an der Mosel reibungslos funktioniert ist die Planung eine Kleinigkeit, zumindest wenn man das Lesen von Bus- und Bahnfahrplänen beherrscht. Die Etappen des Moselsteigs kann man als GPX-Tracks im Netz herunterladen, und so war der technische Teil schnell erledigt. Der Abschnitt 16 von Ediger-Eller nach Neef misst lediglich 11 Kilometer, ein wenig zu kurz also für eine Tagesetappe. Da wir am ersten Tag aber noch die Anfahrt berücksichtigen mussten, hängten wir noch ein kleines Stück der Etappe 17 Beilstein – Ediger an und starteten die Tour in Senhals. So lagen für den Samstag ca. 16 und für den Sonntag mit der Etappe 15 von Neef nach Zell noch einmal 20 Kilometer vor uns.
Das Wetter versprach zum Wochenende gerade noch die Kurve zu kriegen und sowohl der Samstag als auch der Sonntag lösten dieses Versprechen zur vollsten Zufriedenheit ein. Während der Samstag noch ein wenig wolkig und kühl, mit teilweise kräftigem, frischem Wind war, wurde es am zweiten Tag durchweg sonnig und fast sommerlich warm – ideales Wanderwetter also.
Der erste Aufstieg von Senhals verläuft moderat durch die Weinberge und führt über bewaldete Höhen, von denen man immer wieder einen Blick auf die sich durch das Tal windende Mosel, die hier beiderseits von lauschigen Flußauen flankiert wird, erhaschen kann in Richtung Ediger. Das Städtchen am linken Moselufer habe ich schon oft durchreist, sei es per Auto, per Fahrrad oder sogar vor einer gefühlten Ewigkeit per Mofa. Das Gewirr der engen Gassen mit seinen pittoresken, uralten Häusern ist ein wahres Eldorado für Romantiker. An jedem dritten Gebäude weisen kleine Tontafeln auf historische Besonderheiten aus der bewegten Geschichte des Ortes hin. Das hiesige Fremdenverkehrsbüro bietet sogar Führungen durch den Ort an – diese Erfahrung, muss ich zugeben, fehlt mir noch in meiner Sammlung.
Kurz nachdem man den angrenzenden Ortsteil Eller hinter sich gelassen hat und unter der Eisenbahnbrücke hindurch gewandert ist, liegt er gleich zur Rechten, der steilste Weinberg Europas und mein persönliches Wanderhighlight an der Mosel: der Bremmer Calmont. Es ist jetzt schon das vierte Mal dass ich dem Klettersteig in dem alten Weinberg einen Besuch abstatte, aber er fasziniert mich immer wieder, ganz besonders wegen der vielen wechselnden und atemberaubenden Ausblicke entlang des Berges und über die Moselschleife, an deren Scheitelpunkt sich der Weinort Bremm befindet. Aber auch andere Interessen werden hier bedient. Wer sich für Weinanbau interessiert kann sich hier einen sehr plakativen Eindruck von dem Begriff „Steillage“ verschaffen, die Flora besitzt einen Artenreichtum die ihresgleichen sucht und den man in einer, seit Jahrhunderten von Menschenhand geprägten Kulturlandschaft wohl kaum erwartet, und noch vieles mehr. Ein wenig Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sollte man freilich mitbringen, denn obwohl der Calmont kein reinrassiger Klettersteig ist, gibt es doch ein paar schwierige Stellen die es zu überwinden gilt – aber natürlich ist dank der großzügigen Ausstattung mit Leitern und Drahtseilen, alles gut ohne Klettersteiggeschirr zu meistern.
Die folgende kleine Rast in Bremm versüßten wir uns mit einem Eis, bevor es an den letzten Abschnitt des Tages ging, der uns durch flache Weingärten nach Neef führte wo das Nachtlager auf uns wartete.
Bei unserem ersten Besuch 2012 hieß das Haus noch „Gaststätte Remise“. Wir waren damals im Netz bei der Suche nach einer günstigen Unterkunft in Neef darüber gestolpert, und es hatte uns in dem kleinen Hotel, mit gemütlich eingerichteten Zimmern, einem rustikalen Frühstücks- und ehemaligen Schankraum und einem hellen, aber schattigen Biergarten schon ganz gut gefallen. Inzwischen ist das Hotel aber an neue Besitzer übergegangen, die nicht nur den Namen in „Das kleine Weinhotel“ geändert, sondern auch das Konzept des Ladens ganz ordentlich umgekrempelt haben – und das im allerpositivsten Sinne!
Bei unserer Ankunft gegen 17:00 Uhr wurden wir freundlich von der Dame des Hauses begrüßt. Sie bat uns vielmals um Entschuldigung, aber unser Zimmer sei noch nicht fertig, weil es dem vorherigen Gast nicht so gut gegangen sei, und die Abreise ein wenig nach hinten verschoben werden musste bis der Kreislauf wieder mitspielte. Absolut kein Problem für uns, so müde waren wir ja nun auch wieder nicht, nach 16 Kilometern. Wir verstauten unsere Rucksäcke im Flur und beschlossen noch ein wenig zum Moselufer zu gehen und dort die Füße im Wasser baumeln zu lassen. Als wir nach einer knappen Stunde wieder zurückkamen, lagen die Arbeiten an unserem Zimmer in den letzten Zügen und wir wurden für die verbleibenden Minuten des Wartens zu einem Getränk auf Kosten des Hauses eingeladen.
Das Zimmer, in dem wir bereits vor anderthalb Jahren logiert hatten, war kaum noch wieder zu erkennen. Die Vorbesitzerin hatte ganz offensichtlich einen ausgeprägten Hang zu „romantischer Dekoration“, oder wie der Volksmund sagt: „Nippes“. Dieses gemütliche Chaos von einst ist nun unter der neuen Führung einer schlichten, geschmackvollen Behaglichkeit gewichen, die sehr gut zu dem uralten Gemäuer passt. Im Biergarten und dem einstigen Frühstücksraum wurde ordentlich aufgeräumt, und auch kulinarisch ist nichts mehr beim Alten geblieben. Die Weinkarte führt 20 offene und insgesamt 50 Weine bester Qualität von der Mittelmosel, zum Frühstück werden allerfeinste Produkte aus der unmittelbaren Region serviert. Wir haben uns dann im Nachhinein schon ein wenig geärgert, dass wir zum Abendessen (welches auch ganz ordentlich war) in der „Blauen Traube“ am Moselufer eingekehrt waren, und nicht dem zweifellos köstlichen Kalbsschnitzel der Hausküche den Vorzug gegeben hatten – aber dazu finden wir später bestimmt noch einmal eine Gelegenheit.
Vor allem aber gibt es im „Kleinen Weinhotel“ Gastlichkeit in Reinkultur. Und das ist immer, und nur dann, der Fall, wenn die Betreiber mit Herz, Verstand und Spaß bei der Sache sind, ihren Job beherrschen und aus Überzeugung alles dafür tun, den Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Wir drücken jedenfalls die Daumen und wünschen den beiden viel Erfolg für ihr Vorhaben. Dass wir dort nicht zum letzen Mal gewesen sind, versteht sich von selbst!
Am nächsten Tag brachen wir relativ spät auf, zuerst musste ja das leckere Frühstück genossen werden und beim Checkout nach dem Packen, hätten wir uns mit der Besitzerin fast noch völlig verquatscht.
Über lange Treppen führte uns der Weg Stück für Stück hinauf auf den Petersberg und von dort auf den „Kälwerkopp“. Von beiden Punkten bietet sich ein toller Ausblick über die Moselschleife – diesmal allerdings „von innen“. Eine großartige Gelegenheit für ein (fast) Rundum-Panorama-Foto. Die Etappe von Neef nach Zell ist was die Wegführung anbelangt, erstaunlich abwechslungsreich. Es geht zunächst kaum durch die für die Mosel typischen Weinberge, wenn überhaupt dann eher auf Wiesenwegen darüber hinweg. Die ersten Kilometer schlängelt sich der Weg vielmehr durch schattige Laubwälder – ein Umstand, den wir aufgrund des strahlenden Wetters gerne in Kauf nahmen, denn auf dem letzten Stück vor Zell würden wir von der Nachmittagssonne sowieso noch ordentlich gegrillt werden. Ein wenig schade dass es nicht mehr Pfadanteile gibt, die meisten Wege sind breit und gut ausgebaut, aber das ist ja vielleicht auch besser so, weil man den Blick entspannter über die Landschaft schweifen lassen kann anstatt andauernd auf seine Füße schauen zu müssen.
Die gegenüber dem Morgen deutlich angestiegenen Temperaturen lockten alles hervor was Beine oder auch Flügel hat. Viele Schmetterlinge unterschiedlichster Arten (sogar einen Schwalbenschwanz) konnten wir bewundern, und natürlich die allgegenwärtigen Eidechsen, die aber kaum einmal für ein Foto posieren wollten, weil sie viel zu sehr damit beschäftigt waren von einer Mauerritze in die nächste zu flitzen.
Die letzten Kilometer ging es dann direkt durch die flacheren Weinberge kurz vor Zell, wo die Rebstöcke kaum Schatten werfen, da sie im frühen Mai noch nicht viel Laub tragen. So konnte die Sonne in Zusammenarbeit mit dem Schieferboden Ihre volle Kraft entfalten und wir waren um jeden kühlenden Windhauch dankbar.
In Zell angekommen hatten wir noch ein bisschen Zeit bis uns der letzte Bus der Linie 720 (oder war es doch die 711? Egal!) zurück nach Senhals bringen sollte. Nach 20 Kilometern Strecke darf sich auch der Hunger mal zu Wort melden, und so schauten wir uns im Ort nach einer geeigneten Gaststätte um. Wir landeten schließlich in der „Schatzkammer“, ein wenig oberhalb der Hauptgeschäftsstrasse des beschaulichen Städtchens, und bekamen hier das genaue Gegenteil von gepflegter Gastronomie serviert. Schon beim Anblick des Kellners, wurde ich von Fluchtreflexen durchzuckt, denen ich besser umgehend hätte nachgegeben sollen und auch der anschließende Blick in die Karte verhieß nichts Gutes. Der gesamte erste Eindruck bestätigte sich dann auch kurze Zeit später in Gestalt eines dünnen und völlig fettig frittierten Zwiebelschnitzels, dass aber erstaunlicherweise die Konsistenz eines Salz-Crackers besaß. Auch die Soße zum "Rindergulasch mit Klößen und Rotkohl" das meine Liebste geordert hatte, konnte ihre Herkunft nur ungenügend verbergen (Maggi oder Knorr?). Manchmal sollte man einfach aufstehen und wieder gehen, aber man kann ja nicht immer gewinnen.
Wir bedachten den Kellner für die Überbringung dieser kulinarische Meisterleistung mit einem satten Trinkgeld in Höhe von dreißig Cent und schlenderten anschließend noch ein bisschen durch Zell, über die Fußgängerbrücke hoch über der Mosel nach Kaimt und zurück, bis endlich der Bus eintraf, der uns zurück nach Senhals brachte. Wenn man eine Streckenwanderung an der Mosel macht und anschließend mit dem Bus zum Ausgangspunkt zurückfährt, hat man den lustigen Effekt, dass man quasi „im Zeitraffer rückwärts“ noch einmal einige der Ecken, die man zuvor bewandert hat zu sehen bekommt. Vielleicht ist das der Grund warum diese Wanderungen immer so gut im Kopf hängen bleiben. Vermutlich liegt es aber mehr an der großartigen Landschaft des Moseltals, die wohl jeden Wanderer sofort in ihren Bann zieht.
Das waren jetzt nur zweieinhalb der insgesamt 24 Etappen des Moselsteigs, es bleibt also noch genügend Stoff für weitere tolle Wanderungen auf diesem Weg, und natürlich den einen oder anderen Blogartikel.
Eine schöne Woche, Euch allen!
Stay tuned!
k0erschgen
Moselsteig
Endlich noch einmal länger als einen Tag am Stück wandern ...
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Schmetterlinge
In dem milden und sonnigen Klima an der Mosel gibt es Schmetterlinge in Hülle und Fülle und jede Menge verschiedene Arten. Wir eröffnen den Reigen mit diesem kleinen, der heute eher zappeligen Kameraden, die leider nie allzu lange für ein Foto Platz nahmen
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Blick auf Ediger
Wer einmal hier durchkommt sollte unbedingt einmal in das Gewirr der vielen engen Gassen eintauchen. Es lohnt sich!
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Am Ortseingang von Ediger
Das ist nur eine der tausend malerischen Ecken von Ediger. Das Schöne im Gegensatz zu Beilstein, Bernkastel oder Traben-Trarbach: hier läuft Dir nicht alle fünf Meter ein Tourist vor die Linse
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Schmetterlinge II
Dieser hier gönnte sich ein kleines Verschnaufpäuschen auf einer blauen Blüte
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Der Calmont vor Bremm
Egal wie oft es mich dort hinauf verschlägt - ich kann mich einfach nicht satt sehen, an den vielen tollen Ausblicken und Perspektiven
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Blick auf die "Kanonenbahn"
Die Eisenbahnbrücke über die Mosel verbindet den Tunnel zwischen Cochem und Ediger-Eller mit dem Kaiser-Wilhelm-Tunnel zwischen Ediger-Eller und Neef und wurde Ende des 19. Jahrhunderts als Teil der sog. "Kanonenbahn" für schnelle Truppentransporte in den Westen erbaut.
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Der Calmont ...
... in epischer Breite
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Moselschleifenpanorama
Diesen Rundblick von Neef (links) über Bremm (MItte) bis nach Eller (rechts) gibt´s auf dem Kälwerkopp
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Neef durch den Ginster
Das erste Foto des zweiten Tages galt dem Ortskern von Neef, wo wir übernachtet hatten
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Lauschige Waldwege
Von wegen nur Weinberge .... der Moselsteig ist erstaunlich abwechslungsreich und hat viele Gesichter
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Schmetterlinge III
Diesmal hat es einen Kohlweißling erwischt
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Grün! Endlich wieder grün!
Jawoll!!!
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Blitzeiche
Dieses Prachtexemplar wird auf mindestens 300 Jahre geschätzt und ist in seiner langen Geschichte, und an dieser exponierten Lage hoch über Neef, nachweislich mehrere Male vom Blitz getroffen worden.
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Kein Fluglotsenstreik
... soviel ist sicher. Wenn ich mir das Bild im Nachhinein anschaue, ärgere ich mich ein wenig, daß ich mich nicht näher herangetraut habe. Aber da waren wirklich sehr, sehr viele von denen
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
... aber wovor?
Ich habe nicht den leisesten Schimmer
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Wald
Da vor vor einigen Jahren durch Windbrüche die Fichtenmonokulturen ordentlich ausgedünnt wurden, feiert der Ginster fröhliche Urständ ...
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Blick auf Zell
Durch die sommerlich warmen Weinberge ging es zum Ziel der Wanderung, während die Sonne unsere Haut langsam aber sicher satt rot färbte ....
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Reptilienschau
Daß sich da noch ein zweites Exemplar in dem Rohr verbarg, ist mir erst zuhause beim Betrachten der Fotos aufgefallen
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Schmetterlinge IV
Endlich, nach vielen Jahren nochmal ein Schwalbenschwanz! Leider hatte er nicht viel Zeit und wollte sich nicht von seiner schönsten Seite zeigen, aber wir wollen ja nicht meckern!
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
So sieht´s aus!
Dem kann und will ich nichts hinzufügen ;-)
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Mittwoch, 31. Juli 2013
Rückzug am Beinn Alligin
In aller Regel, versuche ich meine Wanderungen recht zügig nach der Heimkehr zu bloggen weil dann die Erinnerungen und Eindrücke auch in Details noch sehr präsent sind. Diesmal war es ein wenig anders, denn ich habe recht lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Blogeintrag überhaupt schreiben will, und was wohl der Inhalt sein würde. Denn diesmal gibt es nur wenige Eindrücke von tollen Landschaften im üblichen Sinne, keine lauschigen Waldpfade und sanfte Hügel – es gibt zudem auch nur sehr wenige Fotos. Diesmal wird es rau, stürmisch und vordergründig ein wenig beängstigend – was in keinster Weise bedeuten soll, dass wir keinen Spaß gehabt hätten, nur irgendwie … anders.
Vor einer knappen Woche hatten wir uns aufgemacht unseren ersten Munro zu besteigen und mussten, nachdem uns ein Gewitter einen gehörigen Schrecken versetzt hatte, noch beim Aufstieg auf den Ridge abbrechen. Heute hatten wir uns, nach eingehender Konsultation der Wetterlage, aufgemacht um den nächsten Versuch zu starten. Gut gerüstet und verpflegt, starteten wir um kurz vor elf vom Wanderparkplatz an der Mitte des Outer Loch Torridon in Richtung Aufstieg. Da wir die Umgebung bis dorthin schon von unserem ersten Versuch kannten, wurde nicht fotografiert, und dank unseres zügigen Tempos, saßen wir bereits nach einer Stunde am Fuße des Berges bei einer kleinen Rast.
Von Gewittern war weit und breit nichts zu sehen, allerdings lag auch die Wettervorhersage mal wieder ziemlich daneben, denn die Sonne lugte nur selten, und nur an wenigen Stellen durch die Wolkendecke. Der Berg, den wir vor uns hatten, lag – wie auch schon bei unserem ersten Besuch – in ziemlich dichten Nebel gehüllt. Allerdings wehte ein frischer bis kräftiger Wind, der die Wolken- und Nebelfetzen schnell um die beiden Gipfel trieb. Wir hofften darauf, dass sich der Nebel in wenigen Stunden verziehen würde.
Mit frischem Mut machten wir uns an den Aufstieg und erkletterten zügig und sicher das erste, steile Stück in Richtung Ridge. Die Kids kletterten sehr konzentriert, gewandt und mit der nötigen Portion Vorsicht die mitunter einen knappen Meter spannenden Stufen aufwärts. Ungefähr auf 500 Metern Höhe, knapp oberhalb der Stelle, an der wir unseren ersten Versuch abgebrochen hatten, bekamen wir einen etwas längeren, leichten Schauer ab, der in Verbindung mit dem Wind ein wenig unangenehm war. Hinter einem größeren Felsen suchten wir Schutz vor den seitlich aufschlagenden Regentropfen und legten eine kurze Essenspause ein.
Nachdem sich der Regen verzogen hatte, ging es weiter, nun über etwas einfacheres und flacheres Terrain. Wir begegneten einem Mann der mit seinem ca. 10-jährigen Sohn die Strecke in umgekehrter Richtung zurücklegte. Wir befragten ihn nach dem weiteren Wegverlauf und bekamen die Antwort: „The way that you have already passed is by far the steepest part, the rest is easy“. Hm, das klang ja viel versprechend. Wie das Wetter auf den Gipfeln denn wäre, wollten wir natürlich auch wissen. „Oh, just the same as it is here. I´ve been up on this mountain for the second time now, but I never saw the ground!”. Hm, nicht so dolle, also. Dennoch zogen wir weiter in Richtung der Nebelgrenze, deren erste Ausläufer uns schon umwaberten. Der Nebel gestaltete sich von innen gar nicht so undurchsichtig wie es von außen anmutete. Die Sichtweite lag irgendwo zwischen zwanzig und dreißig Metern, und da der Pfad immer noch einwandfrei zu erkennen war und wir außerdem den Track auf dem GPS-Gerät hatten, drohte keine Gefahr sich zu verlaufen. Der Wind war inzwischen deutlich kräftiger und wir hegten die leise Hoffnung, dass er das Nebelwetter bald vertreiben könnte - zunächst half er aber schon einmal dabei, die nassen Hosenbeine wieder zu trocknen.
So erreichten wir tatsächlich kurze Zeit später den Ridge auf ungefähr 750 Metern Höhe und begegneten dort einer weiteren, vierköpfigen Wandergruppe. Sie hätten sich dieses Mal den Weg über die Horns (das sind drei kleinere Felserhebungen auf dem Ridge) erspart und wären stattdessen auf dem schmalen Pfad südlich des Grats gewandert. Der Pfad sei hier und da etwas schlammig und nur ca. 30 Zentimeter breit, aber in jedem Fall einfacher zu begehen als der Kletterpfad über die Horns. In jedem Fall würde man das „up and down“ vermeiden und trotzdem rechtzeitig wieder auf den Hauptpfad zum Sgurr Mhor treffen. Wir bedankten uns, wünschten einen guten Tag und setzten unseren Weg in Richtung Gipfel fort. Ein ca. 45-jähriger Mann aus der Gruppe nickte mir kurz noch zu und raunte mir zu: „Watch your steps!“. Dann zogen die vier weiter in Richtung Abstieg. Rückblickend wird mir klar, dass dieser knappe Satz des Wanderkollegen mich bereits ein wenig in Alarmbereitschaft versetzte. Ich ermahnte die Kids noch einmal nachdrücklich, sich sehr aufmerksam auf den Weg zu konzentrieren und setzte mich ausnahmsweise an den Kopf unseres kleinen Zuges um den vor uns liegenden Weg zu erkunden.
Die Nebelsuppe war unterdessen noch etwas dichter geworden. Zwar war immer noch reichlich Sicht vorhanden, allerdings nun nur noch ca. 15 Meter weit. Der wirklich sehr schmale Pfad wand sich ca. 10 bis 20 Meter unterhalb des Ridge am Hang vorbei, der links von uns mit ungefähr 50° abfiel. Die Schwierigkeit des Pfades war, abgesehen von ganz wenigen, einfachen Kletterstellen, ein Klacks und die Passage eigentlich völlig ungefährlich. Nur der ungewisse, durch den Nebel überhaupt nicht einsehbare Abgrund gab dem Ganzen einen etwas unheimlichen Touch, der vor allem bei meiner Liebsten eine leichte, aber nicht zu vernachlässigende Höhenangst auslöste. Auch meiner ältesten Tochter wurde es etwas mulmig zumute. Behutsam und vorsichtig setzten wir den Weg fort. Nach einer Weile erreichten wir wieder den etwas breiteren Hauptpfad und schließlich ein kleines Joch vor dem Aufstieg zum Sgurr Mhor. Hier herrschte, im Gegensatz zum bisherigen Wegverlauf, fast völlige Windstille. Da es zudem nicht regnete ein ausgezeichneter Platz für eine kleine Rast. Laut GPS-Track musste der erste Gipfel nun unmittelbar vor uns liegen. Wir packten unsere Rucksäcke, verließen den Rastplatz in Richtung Westen und erblickten nach wenigen Schritten den felsigen Weg nach oben.
Hier nun erhält unsere kleine Geschichte die, bei genauerer Betrachtung, nicht unvorsehbare Wendung. Beim Anblick des felsigen Aufstiegs zum Gipfel, der sich da so langsam aus dem Nebel schälte, bekam ich ein irgendwie seltsames Gefühl in der Magengegend. Da ich gelernt habe, mein Bauchgefühl nicht zu ignorieren, hielt ich inne und schaute mich zum Rest der Gruppe um. Der Ausdruck in den Gesichtern sprach eine allzu deutliche Sprache – so richtig überzeugt war von unserem Vorhaben offensichtlich niemand mehr. Während ich noch versuchte, mein „gutt feeling“ zu deuten, fragte ich in die Runde, ob wir weitergehen sollten. Die Antwort war so gut wie einstimmig: Abbruch! Die Tatsache, dass wir durch den Nebel überhaupt keine Chance hatten den weiteren Wegverlauf über die nächsten paar Meter hinaus zu beurteilen, die deutlich gesunkene Moral der Expeditionsteilnehmer und die mittlerweile doch schon vorgerückte Stunde machten mir die Entscheidung ziemlich leicht. Wir blieben noch eine kurze Weile auf dem Joch um die Tatsachen zu verdauen. Aus Richtung des Gipfels näherten sich Stimmen. Eine weitere Wandergruppe, die den Weg über die beiden Gipfel gerade hinter sich hatte. In dem folgenden, kurzen Gespräch brachten wir in Erfahrung, dass die Sicht sich auch auf dem Gipfel nicht ändern würde. Wir ließen der Gruppe noch ein wenig Vorsprung und machten uns, etwas niedergeschlagen, auf den Rückweg.
Die Stimmung besserte sich erst wieder merklich, als wir den Rand des Abstiegs ins Tal, und damit auch die Nebelgrenze wieder erreichten. Hier trafen wir abermals auf eine andere Wandergruppe, die sich auf dem Sattel niedergelassen hatte um mit Karte und GPS einen Weg hinab zu planen. Ein drahtiger Vierziger der mit drei Jugendlichen auf einer kleinen Klettertour unterwegs war. Wir hielten einen netten Plausch, sammelten noch ein paar Tipps zu etwas leichteren Munro-Touren und schickten uns an, den Hang zwischen Tal und Ridge zum vierten Mal zu passieren.
Der Abstieg ging zügig und sicher vonstatten, wenn uns auch die zuletzt angetroffene Wandergruppe recht schnell ein- und auch überholt hatte. Drei Kilometer und einen kleinen Regenschauer später, erreichten wir wieder den waldigen Abschnitt in der Nähe des Wanderparkplatzes. Spätestens hier, im fast windstillen Tal, bewährten sich die Moskitonetze die wir am vorvergangenen Tag in einem Outdoorshop in Edinburgh gekauft hatten. Bis wir am Auto ankamen, hüllten dichte Mückenwolken unsere gut geschützten Häupter ein. Mittlerweile strategisch erfahren in der Ungezieferabwehr, brauchte es nur wenige Handgriffe um das Gepäck in den Kofferraum zu befördern, die Schuhe zu wechseln und im Wagen Platz zu nehmen. Dann traten wir, die Fenster weit geöffnet, damit die Zugluft die eingedrungenen Mücken vertreiben konnte, die Rückfahrt nach Erchless Castle an.
Wenn ich abergläubisch (oder gläubig, oder was auch immer) wäre, wäre ich möglicherweise zu der Überzeugung gelangt, dass irgendeine höhere Macht nicht will dass wir auf diesen Berg steigen. Da ich mir aber einbilde mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität zu stehen, sehe ich es als das was es wahrscheinlich war: der falsche Ort zur falschen Zeit, oder vielleicht ganz schlicht, schlechtes Wetter. Was mich allerdings immer noch beschäftigt, ist dieses seltsame Bauchgefühl, dass sich in mir beim Anblick des Aufstiegs zum Sgurr Mhor ausgebreitet hatte. Obwohl die gesamte Tour zu keiner Zeit wirklich bedrohlich war - alle sind umsichtig und sicher geklettert, wir hatten keine Gefahr uns zu verlaufen, genügend Proviant und Wasser dabei und das bis dahin passierte Terrain war nüchtern betrachtet eher ungefährlich - hatte ich an diesem Punkt plötzlich und völlig unerwartet einen Heidenrespekt vor dem bekommen was da vielleicht noch auf uns warten würde. Rückblickend ist mir allerdings klar geworden, dass wir zu diesem Zeitpunkt definitiv am Limit angekommen waren, und das nicht mal physisch, sondern viel eher mental. Unsere Kraft hätte vermutlich locker gereicht für den weiteren Weg über die beiden Gipfel und auch für den Abstieg auf der anderen Seite, aber weitere Unsicherheiten oder andere, zusätzliche Belastungen, hätten uns vielleicht in eine bedrohlichere Situation bringen können. Vermutlich war dieses Gefühl in meinem Bauch ganz einfach die Angst vor Überforderung.
So bin ich heute, nach einem Tag Abstand, wieder mit dem Beinn Alligin versöhnt. Es tut mir nicht leid, dass wir die Tour abgebrochen haben – es hätte ja sowieso nichts zu sehen gegeben und die Höhenmeter-Statistik kann man auch anders befüllen. Vielmehr bin ich sehr dankbar dafür, dass meine Instinkte offenbar noch gut funktionieren, und mir im vermutlich entscheidenden Moment den richtigen Impuls geben konnten. Mein höchster Respekt gebührt vor allem meinen Wandergefährten, in Person meiner beiden Töchter, die mich, wenn´s nach draußen geht, immer wieder aufs Neue mit ihrer unfassbaren Power zu überraschen wissen, meiner nervenstarken Liebsten, die ihre aufkeimende Höhenangst trotz der unheimlichen Situation gut in den Griff bekam und nicht zuletzt ihrem Sohn, der uns heute vor allem auf dem ersten Teil des „Rückzugs“ eine große Hilfe war, weil er beständig und aufmerksam dafür sorgte, dass wir nicht zu weit auseinander fielen, während ich das Schlusslicht bildete.
Ein paar Tage bleiben uns noch, aber die Wettervorhersage ist nicht gerade rosig, so dass wir wahrscheinlich keinen weiteren Versuch mehr starten werden, einen Munro zu erobern. Aber so wie es aussieht, war das nicht unser letzter Urlaub in Schottland.
Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit, und dass Eure Sinne immer wachsam bleiben mögen.
Stay tuned …
k0erschgen




Vor einer knappen Woche hatten wir uns aufgemacht unseren ersten Munro zu besteigen und mussten, nachdem uns ein Gewitter einen gehörigen Schrecken versetzt hatte, noch beim Aufstieg auf den Ridge abbrechen. Heute hatten wir uns, nach eingehender Konsultation der Wetterlage, aufgemacht um den nächsten Versuch zu starten. Gut gerüstet und verpflegt, starteten wir um kurz vor elf vom Wanderparkplatz an der Mitte des Outer Loch Torridon in Richtung Aufstieg. Da wir die Umgebung bis dorthin schon von unserem ersten Versuch kannten, wurde nicht fotografiert, und dank unseres zügigen Tempos, saßen wir bereits nach einer Stunde am Fuße des Berges bei einer kleinen Rast.
Von Gewittern war weit und breit nichts zu sehen, allerdings lag auch die Wettervorhersage mal wieder ziemlich daneben, denn die Sonne lugte nur selten, und nur an wenigen Stellen durch die Wolkendecke. Der Berg, den wir vor uns hatten, lag – wie auch schon bei unserem ersten Besuch – in ziemlich dichten Nebel gehüllt. Allerdings wehte ein frischer bis kräftiger Wind, der die Wolken- und Nebelfetzen schnell um die beiden Gipfel trieb. Wir hofften darauf, dass sich der Nebel in wenigen Stunden verziehen würde.
Mit frischem Mut machten wir uns an den Aufstieg und erkletterten zügig und sicher das erste, steile Stück in Richtung Ridge. Die Kids kletterten sehr konzentriert, gewandt und mit der nötigen Portion Vorsicht die mitunter einen knappen Meter spannenden Stufen aufwärts. Ungefähr auf 500 Metern Höhe, knapp oberhalb der Stelle, an der wir unseren ersten Versuch abgebrochen hatten, bekamen wir einen etwas längeren, leichten Schauer ab, der in Verbindung mit dem Wind ein wenig unangenehm war. Hinter einem größeren Felsen suchten wir Schutz vor den seitlich aufschlagenden Regentropfen und legten eine kurze Essenspause ein.
Nachdem sich der Regen verzogen hatte, ging es weiter, nun über etwas einfacheres und flacheres Terrain. Wir begegneten einem Mann der mit seinem ca. 10-jährigen Sohn die Strecke in umgekehrter Richtung zurücklegte. Wir befragten ihn nach dem weiteren Wegverlauf und bekamen die Antwort: „The way that you have already passed is by far the steepest part, the rest is easy“. Hm, das klang ja viel versprechend. Wie das Wetter auf den Gipfeln denn wäre, wollten wir natürlich auch wissen. „Oh, just the same as it is here. I´ve been up on this mountain for the second time now, but I never saw the ground!”. Hm, nicht so dolle, also. Dennoch zogen wir weiter in Richtung der Nebelgrenze, deren erste Ausläufer uns schon umwaberten. Der Nebel gestaltete sich von innen gar nicht so undurchsichtig wie es von außen anmutete. Die Sichtweite lag irgendwo zwischen zwanzig und dreißig Metern, und da der Pfad immer noch einwandfrei zu erkennen war und wir außerdem den Track auf dem GPS-Gerät hatten, drohte keine Gefahr sich zu verlaufen. Der Wind war inzwischen deutlich kräftiger und wir hegten die leise Hoffnung, dass er das Nebelwetter bald vertreiben könnte - zunächst half er aber schon einmal dabei, die nassen Hosenbeine wieder zu trocknen.
So erreichten wir tatsächlich kurze Zeit später den Ridge auf ungefähr 750 Metern Höhe und begegneten dort einer weiteren, vierköpfigen Wandergruppe. Sie hätten sich dieses Mal den Weg über die Horns (das sind drei kleinere Felserhebungen auf dem Ridge) erspart und wären stattdessen auf dem schmalen Pfad südlich des Grats gewandert. Der Pfad sei hier und da etwas schlammig und nur ca. 30 Zentimeter breit, aber in jedem Fall einfacher zu begehen als der Kletterpfad über die Horns. In jedem Fall würde man das „up and down“ vermeiden und trotzdem rechtzeitig wieder auf den Hauptpfad zum Sgurr Mhor treffen. Wir bedankten uns, wünschten einen guten Tag und setzten unseren Weg in Richtung Gipfel fort. Ein ca. 45-jähriger Mann aus der Gruppe nickte mir kurz noch zu und raunte mir zu: „Watch your steps!“. Dann zogen die vier weiter in Richtung Abstieg. Rückblickend wird mir klar, dass dieser knappe Satz des Wanderkollegen mich bereits ein wenig in Alarmbereitschaft versetzte. Ich ermahnte die Kids noch einmal nachdrücklich, sich sehr aufmerksam auf den Weg zu konzentrieren und setzte mich ausnahmsweise an den Kopf unseres kleinen Zuges um den vor uns liegenden Weg zu erkunden.
Die Nebelsuppe war unterdessen noch etwas dichter geworden. Zwar war immer noch reichlich Sicht vorhanden, allerdings nun nur noch ca. 15 Meter weit. Der wirklich sehr schmale Pfad wand sich ca. 10 bis 20 Meter unterhalb des Ridge am Hang vorbei, der links von uns mit ungefähr 50° abfiel. Die Schwierigkeit des Pfades war, abgesehen von ganz wenigen, einfachen Kletterstellen, ein Klacks und die Passage eigentlich völlig ungefährlich. Nur der ungewisse, durch den Nebel überhaupt nicht einsehbare Abgrund gab dem Ganzen einen etwas unheimlichen Touch, der vor allem bei meiner Liebsten eine leichte, aber nicht zu vernachlässigende Höhenangst auslöste. Auch meiner ältesten Tochter wurde es etwas mulmig zumute. Behutsam und vorsichtig setzten wir den Weg fort. Nach einer Weile erreichten wir wieder den etwas breiteren Hauptpfad und schließlich ein kleines Joch vor dem Aufstieg zum Sgurr Mhor. Hier herrschte, im Gegensatz zum bisherigen Wegverlauf, fast völlige Windstille. Da es zudem nicht regnete ein ausgezeichneter Platz für eine kleine Rast. Laut GPS-Track musste der erste Gipfel nun unmittelbar vor uns liegen. Wir packten unsere Rucksäcke, verließen den Rastplatz in Richtung Westen und erblickten nach wenigen Schritten den felsigen Weg nach oben.
Hier nun erhält unsere kleine Geschichte die, bei genauerer Betrachtung, nicht unvorsehbare Wendung. Beim Anblick des felsigen Aufstiegs zum Gipfel, der sich da so langsam aus dem Nebel schälte, bekam ich ein irgendwie seltsames Gefühl in der Magengegend. Da ich gelernt habe, mein Bauchgefühl nicht zu ignorieren, hielt ich inne und schaute mich zum Rest der Gruppe um. Der Ausdruck in den Gesichtern sprach eine allzu deutliche Sprache – so richtig überzeugt war von unserem Vorhaben offensichtlich niemand mehr. Während ich noch versuchte, mein „gutt feeling“ zu deuten, fragte ich in die Runde, ob wir weitergehen sollten. Die Antwort war so gut wie einstimmig: Abbruch! Die Tatsache, dass wir durch den Nebel überhaupt keine Chance hatten den weiteren Wegverlauf über die nächsten paar Meter hinaus zu beurteilen, die deutlich gesunkene Moral der Expeditionsteilnehmer und die mittlerweile doch schon vorgerückte Stunde machten mir die Entscheidung ziemlich leicht. Wir blieben noch eine kurze Weile auf dem Joch um die Tatsachen zu verdauen. Aus Richtung des Gipfels näherten sich Stimmen. Eine weitere Wandergruppe, die den Weg über die beiden Gipfel gerade hinter sich hatte. In dem folgenden, kurzen Gespräch brachten wir in Erfahrung, dass die Sicht sich auch auf dem Gipfel nicht ändern würde. Wir ließen der Gruppe noch ein wenig Vorsprung und machten uns, etwas niedergeschlagen, auf den Rückweg.
Die Stimmung besserte sich erst wieder merklich, als wir den Rand des Abstiegs ins Tal, und damit auch die Nebelgrenze wieder erreichten. Hier trafen wir abermals auf eine andere Wandergruppe, die sich auf dem Sattel niedergelassen hatte um mit Karte und GPS einen Weg hinab zu planen. Ein drahtiger Vierziger der mit drei Jugendlichen auf einer kleinen Klettertour unterwegs war. Wir hielten einen netten Plausch, sammelten noch ein paar Tipps zu etwas leichteren Munro-Touren und schickten uns an, den Hang zwischen Tal und Ridge zum vierten Mal zu passieren.
Der Abstieg ging zügig und sicher vonstatten, wenn uns auch die zuletzt angetroffene Wandergruppe recht schnell ein- und auch überholt hatte. Drei Kilometer und einen kleinen Regenschauer später, erreichten wir wieder den waldigen Abschnitt in der Nähe des Wanderparkplatzes. Spätestens hier, im fast windstillen Tal, bewährten sich die Moskitonetze die wir am vorvergangenen Tag in einem Outdoorshop in Edinburgh gekauft hatten. Bis wir am Auto ankamen, hüllten dichte Mückenwolken unsere gut geschützten Häupter ein. Mittlerweile strategisch erfahren in der Ungezieferabwehr, brauchte es nur wenige Handgriffe um das Gepäck in den Kofferraum zu befördern, die Schuhe zu wechseln und im Wagen Platz zu nehmen. Dann traten wir, die Fenster weit geöffnet, damit die Zugluft die eingedrungenen Mücken vertreiben konnte, die Rückfahrt nach Erchless Castle an.
Wenn ich abergläubisch (oder gläubig, oder was auch immer) wäre, wäre ich möglicherweise zu der Überzeugung gelangt, dass irgendeine höhere Macht nicht will dass wir auf diesen Berg steigen. Da ich mir aber einbilde mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität zu stehen, sehe ich es als das was es wahrscheinlich war: der falsche Ort zur falschen Zeit, oder vielleicht ganz schlicht, schlechtes Wetter. Was mich allerdings immer noch beschäftigt, ist dieses seltsame Bauchgefühl, dass sich in mir beim Anblick des Aufstiegs zum Sgurr Mhor ausgebreitet hatte. Obwohl die gesamte Tour zu keiner Zeit wirklich bedrohlich war - alle sind umsichtig und sicher geklettert, wir hatten keine Gefahr uns zu verlaufen, genügend Proviant und Wasser dabei und das bis dahin passierte Terrain war nüchtern betrachtet eher ungefährlich - hatte ich an diesem Punkt plötzlich und völlig unerwartet einen Heidenrespekt vor dem bekommen was da vielleicht noch auf uns warten würde. Rückblickend ist mir allerdings klar geworden, dass wir zu diesem Zeitpunkt definitiv am Limit angekommen waren, und das nicht mal physisch, sondern viel eher mental. Unsere Kraft hätte vermutlich locker gereicht für den weiteren Weg über die beiden Gipfel und auch für den Abstieg auf der anderen Seite, aber weitere Unsicherheiten oder andere, zusätzliche Belastungen, hätten uns vielleicht in eine bedrohlichere Situation bringen können. Vermutlich war dieses Gefühl in meinem Bauch ganz einfach die Angst vor Überforderung.
So bin ich heute, nach einem Tag Abstand, wieder mit dem Beinn Alligin versöhnt. Es tut mir nicht leid, dass wir die Tour abgebrochen haben – es hätte ja sowieso nichts zu sehen gegeben und die Höhenmeter-Statistik kann man auch anders befüllen. Vielmehr bin ich sehr dankbar dafür, dass meine Instinkte offenbar noch gut funktionieren, und mir im vermutlich entscheidenden Moment den richtigen Impuls geben konnten. Mein höchster Respekt gebührt vor allem meinen Wandergefährten, in Person meiner beiden Töchter, die mich, wenn´s nach draußen geht, immer wieder aufs Neue mit ihrer unfassbaren Power zu überraschen wissen, meiner nervenstarken Liebsten, die ihre aufkeimende Höhenangst trotz der unheimlichen Situation gut in den Griff bekam und nicht zuletzt ihrem Sohn, der uns heute vor allem auf dem ersten Teil des „Rückzugs“ eine große Hilfe war, weil er beständig und aufmerksam dafür sorgte, dass wir nicht zu weit auseinander fielen, während ich das Schlusslicht bildete.
Ein paar Tage bleiben uns noch, aber die Wettervorhersage ist nicht gerade rosig, so dass wir wahrscheinlich keinen weiteren Versuch mehr starten werden, einen Munro zu erobern. Aber so wie es aussieht, war das nicht unser letzter Urlaub in Schottland.
Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit, und dass Eure Sinne immer wachsam bleiben mögen.
Stay tuned …
k0erschgen
Gruppenbild mit Nebel
Das erste Bild der Tour. Aufgenommen bei einer kleinen Rast ca. 50 Höhenmeter unterhalb des Ridge
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Bewohner
Das einzige Lebewesen dass wir in dieser Höhe erblickten
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Abstieg vom Ridge
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Panorama
Nachdem wir wieder unterhalb der Nebelgrenze waren, bot sich ein fantastischer Blick auf Upper Loch Torridon und die angrenzenden Munros
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Freitag, 26. Juli 2013
Epic Fail am Beinn Alligin
„Ihr bleibt ja nur im Tal, da liegen doch so viele tolle Munros in der Nähe“ hatte mein ehemaliger Kollege und höchst erfahrener Munrobagger Frank auf meinen Facebook-Post mit der Loch Affric Tour geantwortet. Hmm, Recht hat er. Wenn man schon in den Highlands unterwegs ist, muss man wahrscheinlich auch einmal den Ausblick von einem dieser hohen Berge genossen haben. Da es neben seiner eigenen Website www.bgmb.de (sehr schöne Bilder, übrigens!) auch noch viele andere Seiten rund um die Munros gibt, ist es kein Problem sich entsprechende Informationen zu beschaffen. Als ersten Wurf eines Plans hatte ich zwei Gipfel des Berges Liathach am Nordufer des Loch Torridon ausgesucht. Zehn Kilometer Rundwanderung, ca. 1100 Meter Gesamtanstieg. Auf meine Rückfrage nach der Begehbarkeit des Ridge zwischen den beiden Gipfeln meinte Frank allerdings: „Uiih, sehr, sehr steiler Anstieg! Wenn Du Dir nicht sicher bist, einfach auf einen der Nachbarberge ausweichen“. Gute Ratschläge von erfahrenen Fachleuten sollte man beherzigen, und so wurde es dann eine ebenso zehn Kilometer lange Runde auf den etwas leichteren und niedrigeren Beinn Alligin, der mit seinen zwei Gipfeln Sgurr Mhor (983 Meter) und Tom na Grugaich (924 Meter) für unsere erste Bergtour in den Highlands herhalten sollte.
Gut anderthalb Stunden dauerte die Anfahrt. Das Wetter war als wechselhaft angekündigt, und dieser Eindruck bestätigte sich, je weiter wir nach Nordwesten vorankamen. Als wir endlich Loch Torridon erreichten konnten wir den zuerst anvisierten Berg in Augenschein nehmen. Uff, das sah wirklich verdammt steil aus. Zudem lagen die beiden Gipfel noch tief in den Wolken verborgen. Wir hielten am Wanderparkplatz, warteten noch kurz einen kleinen Schauer ab und machten uns auf den Weg durch einen lichten Kiefernwald zum Anstieg auf den Ridge am östlichen Eck des Berges.
Einem anderen guten Rat folgend hatten wir uns einen Tag vorher im „Highland Soap Shop“ in Fort William mit einer Lotion namens „Bog Myrtle“ gegen die Midges versorgt, nachdem wir einige erfolglose Versuche gestartet hatten „Skin so soft“ von Avon zu bekommen. Nach edlen Kräutern duftend, hatten wir für die Midges heute wohl tatsächlich unsere appetitanregende Wirkung verloren. Sie flogen zwar öfters einmal an, hielten es jedoch nicht allzu lange in unserer Gegenwart aus – Kulturbanausen!
Der Weg führte leicht aber stetig aufwärts über einen gewundenen, gut befestigten Pfad in Richtung Beinn Alligin. Die Ausblicke die wir hier hatten waren den weiten Weg schon fast wert, was würde sich wohl für ein Panorama von den Gipfeln bieten? Der einzige Punkt der uns ein wenig Sorgen machte, befand sich ca. 7 Kilometer weiter östlich. Dort, ungefähr am Beinn Eighe, hingen noch die Reste eines Gewitters das sich in längeren Abständen durch ein leichtes Wetterleuchten und fernes Donnergrollen bemerkbar machte. Wir beschlossen, die Angelegenheit im Auge zu behalten und hofften darauf, dass es sich bald verziehen würde. Der landeinwärts wehende Wind brachte in jedem Fall deutlich lockerere Wolken mit sich und so setzten wir unseren Weg in ruhigem Tempo fort. Eine Ansammlung großer Steine die von der leichten Brise umflutet wurden bot uns nach ca. 4 Kilometern Gelegenheit für eine längere Rast bevor das Terrain steiler wurde. Der weitere Weg auf den Berg war von hier aus noch nicht zu erkennen, aber das es aufwärts gehen würde, war uns ja schon irgendwie klar.
Dann standen wir relativ schnell vor dem steilen Anstieg auf den Berg und uns wurde bewusst, dass jetzt wohl ein wenig Klettern angesagt war. Die Kids zögerten keine Sekunde und nahmen den Hang beherzt in Angriff. Der Weg war ab hier sehr gut erkennbar, er führte über eine Art natürliche Treppe aus Sandsteinblöcken mit ca. 45° Steigung nach oben. Der Vergleich mit einer Treppe hinkt natürlich ein wenig, weil hier das normgerechte Verhältnis zwischen Stufenhöhe und Auftritt vom Architekten nicht so ganz konsequent umgesetzt war – an einigen Stellen mussten wir uns doch schon ein wenig strecken. Alles in allem aber trotzdem gut zu bewältigen, insbesondere weil der Sandstein auch in leicht nassem Zustand vergleichsweise guten Grip bietet.
Der Aufstieg war dennoch ganz schön anstrengend. Auf einem kleinen Sattel angekommen, beschlossen wir eine kurze Rast zu machen um etwas zu trinken und den strapazierten Knochen eine kleine Pause zu gönnen, da passierte es: Fast völlig aus dem Nichts ein Blitz! Nicht besonders heftig - aber der ca. 4 Sekunden darauf folgende Donner ließ keinen Zweifel, dass das Gewitter sich offensichtlich schlagartig in unsere Richtung verlagert hatte. Die Entscheidung die Tour abzubrechen benötigte keine weiteren 4 Sekunden. Auf dem Berg möglicherweise in schlechtes Wetter zu geraten ist keine wirklich ermutigende Perspektive. So ein Mist! Zügig aber ohne Hast machten wir uns wieder an den Abstieg, nahmen seufzend jeden einzelnen Tritt den wir erklommen hatten wieder abwärts und hofften, dass das Unwetter nicht noch näher kommen würde.
Unsere Hoffnung sollte sich auf ironische Art bald bestätigen, denn der Blitz, der uns zum Aufgeben zwang war der letzte den dieses Gewitter zu bieten hatte. Als wir wieder einen Blick durch das Tal in Richtung Beinn Eighe werfen konnten, hatten sich dort die dunklen Wolken komplett verzogen und waren einem weißen, lichten Hochnebel gewichen. Trotzdem war die Entscheidung die Tour abzubrechen die einzig richtige, und ich würde sie in ähnlichen Situation jederzeit wieder genauso treffen.
Der Rückweg wartete mit weiteren Überraschungen auf. Es hatte leicht zu regnen begonnen, und die frische Brise hatte sich komplett irgendwo anders hin verkrümelt. Schwüle Luft lag über dem Tal - ideale Bedingungen also für fliegendes Getier aller Art. Die Midges ließen uns zwar in Ruhe, hatten aber die Infanterie in Gestalt winziger Mücken voran geschickt, die sich offenbar einen Dreck um „Bog Myrtle“ scherten. „You will need them. £3 each“ stand auf dem Schild das ich am Vortag in einem kleinen Anglerladen in Fort William unter der Auslage mit den Moskitonetzen gesehen, und leicht belächelt hatte. Ich weiß auch nicht, warum mir dieser Slogan gerade jetzt wieder in den Sinn kam.
Schlagend und wedelnd, abwechselnd wischend und spuckend (weil die Biester vornehmlich in kopfnahen Körperöffnungen Schutz vor dem Regen suchten) gingen wir unseren Weg zurück in Richtung Parkplatz um eine weitere, eindrucksvolle Erfahrung reicher. Wir verzogen uns so schnell es ging ins Auto und fuhren die Straße in Richtung Diabaigh und weiter zur Küste, in der Erwartung dass wir dort bei einer frischen Brise etwas verschnaufen könnten. Aber weit gefehlt, auch dort hatten die Mücken alles fest im Griff und so genossen wir wenigstens die luftige Fahrt über die abenteuerliche Straße entlang des Outer Loch Torridon und nutzen den Fahrtwind, der uns half die ins Auto eingedrungenen Plagegeister endgültig loszuwerden.
Irgendwie hatte ich mir den Tag deutlich anders vorgestellt: statt erhabener Blicke über die schottischen Highlands erlebten wir eine vernichtende Niederlage durch einen einzigen Blitz und viele Millionen kleine Infanteristen. Vergessen werden wir diese Tour aber garantiert nicht so schnell. Beinn Alligin, wir kommen wieder, dann vielleicht etwas seltsam gewandet, mit Hüten und lustigen Moskitonetzen auf dem Haupt, aber das ist mir dann so was von egal …
Stay tuned
K0erschgen

















Gut anderthalb Stunden dauerte die Anfahrt. Das Wetter war als wechselhaft angekündigt, und dieser Eindruck bestätigte sich, je weiter wir nach Nordwesten vorankamen. Als wir endlich Loch Torridon erreichten konnten wir den zuerst anvisierten Berg in Augenschein nehmen. Uff, das sah wirklich verdammt steil aus. Zudem lagen die beiden Gipfel noch tief in den Wolken verborgen. Wir hielten am Wanderparkplatz, warteten noch kurz einen kleinen Schauer ab und machten uns auf den Weg durch einen lichten Kiefernwald zum Anstieg auf den Ridge am östlichen Eck des Berges.
Einem anderen guten Rat folgend hatten wir uns einen Tag vorher im „Highland Soap Shop“ in Fort William mit einer Lotion namens „Bog Myrtle“ gegen die Midges versorgt, nachdem wir einige erfolglose Versuche gestartet hatten „Skin so soft“ von Avon zu bekommen. Nach edlen Kräutern duftend, hatten wir für die Midges heute wohl tatsächlich unsere appetitanregende Wirkung verloren. Sie flogen zwar öfters einmal an, hielten es jedoch nicht allzu lange in unserer Gegenwart aus – Kulturbanausen!
Der Weg führte leicht aber stetig aufwärts über einen gewundenen, gut befestigten Pfad in Richtung Beinn Alligin. Die Ausblicke die wir hier hatten waren den weiten Weg schon fast wert, was würde sich wohl für ein Panorama von den Gipfeln bieten? Der einzige Punkt der uns ein wenig Sorgen machte, befand sich ca. 7 Kilometer weiter östlich. Dort, ungefähr am Beinn Eighe, hingen noch die Reste eines Gewitters das sich in längeren Abständen durch ein leichtes Wetterleuchten und fernes Donnergrollen bemerkbar machte. Wir beschlossen, die Angelegenheit im Auge zu behalten und hofften darauf, dass es sich bald verziehen würde. Der landeinwärts wehende Wind brachte in jedem Fall deutlich lockerere Wolken mit sich und so setzten wir unseren Weg in ruhigem Tempo fort. Eine Ansammlung großer Steine die von der leichten Brise umflutet wurden bot uns nach ca. 4 Kilometern Gelegenheit für eine längere Rast bevor das Terrain steiler wurde. Der weitere Weg auf den Berg war von hier aus noch nicht zu erkennen, aber das es aufwärts gehen würde, war uns ja schon irgendwie klar.
Dann standen wir relativ schnell vor dem steilen Anstieg auf den Berg und uns wurde bewusst, dass jetzt wohl ein wenig Klettern angesagt war. Die Kids zögerten keine Sekunde und nahmen den Hang beherzt in Angriff. Der Weg war ab hier sehr gut erkennbar, er führte über eine Art natürliche Treppe aus Sandsteinblöcken mit ca. 45° Steigung nach oben. Der Vergleich mit einer Treppe hinkt natürlich ein wenig, weil hier das normgerechte Verhältnis zwischen Stufenhöhe und Auftritt vom Architekten nicht so ganz konsequent umgesetzt war – an einigen Stellen mussten wir uns doch schon ein wenig strecken. Alles in allem aber trotzdem gut zu bewältigen, insbesondere weil der Sandstein auch in leicht nassem Zustand vergleichsweise guten Grip bietet.
Der Aufstieg war dennoch ganz schön anstrengend. Auf einem kleinen Sattel angekommen, beschlossen wir eine kurze Rast zu machen um etwas zu trinken und den strapazierten Knochen eine kleine Pause zu gönnen, da passierte es: Fast völlig aus dem Nichts ein Blitz! Nicht besonders heftig - aber der ca. 4 Sekunden darauf folgende Donner ließ keinen Zweifel, dass das Gewitter sich offensichtlich schlagartig in unsere Richtung verlagert hatte. Die Entscheidung die Tour abzubrechen benötigte keine weiteren 4 Sekunden. Auf dem Berg möglicherweise in schlechtes Wetter zu geraten ist keine wirklich ermutigende Perspektive. So ein Mist! Zügig aber ohne Hast machten wir uns wieder an den Abstieg, nahmen seufzend jeden einzelnen Tritt den wir erklommen hatten wieder abwärts und hofften, dass das Unwetter nicht noch näher kommen würde.
Unsere Hoffnung sollte sich auf ironische Art bald bestätigen, denn der Blitz, der uns zum Aufgeben zwang war der letzte den dieses Gewitter zu bieten hatte. Als wir wieder einen Blick durch das Tal in Richtung Beinn Eighe werfen konnten, hatten sich dort die dunklen Wolken komplett verzogen und waren einem weißen, lichten Hochnebel gewichen. Trotzdem war die Entscheidung die Tour abzubrechen die einzig richtige, und ich würde sie in ähnlichen Situation jederzeit wieder genauso treffen.
Der Rückweg wartete mit weiteren Überraschungen auf. Es hatte leicht zu regnen begonnen, und die frische Brise hatte sich komplett irgendwo anders hin verkrümelt. Schwüle Luft lag über dem Tal - ideale Bedingungen also für fliegendes Getier aller Art. Die Midges ließen uns zwar in Ruhe, hatten aber die Infanterie in Gestalt winziger Mücken voran geschickt, die sich offenbar einen Dreck um „Bog Myrtle“ scherten. „You will need them. £3 each“ stand auf dem Schild das ich am Vortag in einem kleinen Anglerladen in Fort William unter der Auslage mit den Moskitonetzen gesehen, und leicht belächelt hatte. Ich weiß auch nicht, warum mir dieser Slogan gerade jetzt wieder in den Sinn kam.
Schlagend und wedelnd, abwechselnd wischend und spuckend (weil die Biester vornehmlich in kopfnahen Körperöffnungen Schutz vor dem Regen suchten) gingen wir unseren Weg zurück in Richtung Parkplatz um eine weitere, eindrucksvolle Erfahrung reicher. Wir verzogen uns so schnell es ging ins Auto und fuhren die Straße in Richtung Diabaigh und weiter zur Küste, in der Erwartung dass wir dort bei einer frischen Brise etwas verschnaufen könnten. Aber weit gefehlt, auch dort hatten die Mücken alles fest im Griff und so genossen wir wenigstens die luftige Fahrt über die abenteuerliche Straße entlang des Outer Loch Torridon und nutzen den Fahrtwind, der uns half die ins Auto eingedrungenen Plagegeister endgültig loszuwerden.
Irgendwie hatte ich mir den Tag deutlich anders vorgestellt: statt erhabener Blicke über die schottischen Highlands erlebten wir eine vernichtende Niederlage durch einen einzigen Blitz und viele Millionen kleine Infanteristen. Vergessen werden wir diese Tour aber garantiert nicht so schnell. Beinn Alligin, wir kommen wieder, dann vielleicht etwas seltsam gewandet, mit Hüten und lustigen Moskitonetzen auf dem Haupt, aber das ist mir dann so was von egal …
Stay tuned
K0erschgen
Wasserfall
Direkt am Parkplatz bietet sich dieser eindrucksvolle Blick auf ein tief ausgewaschenes Flussbett
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Midge
Hier hatte ich mal ein wenig Muße um eines dieser possierlichen kleinen, äußerst bissigen Tierchen, die uns im Glen Affric das Fürchten gelehrt hatten abzulichten
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
A place for everyone
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Waldpfade
Gibt es auf dieser Tour nur zu Beginn
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Panoramasicht auf Beinn Alligin
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Highlands
Noch liegt der Aufstieg auf den Grat in den Wolken, während der Gipfel des Sgurr Mhor sich schon in voller Pracht zeigt.
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Bunte Steine
Sehr hübsch sind diese durch Flechtenbewuchs bunt eingefärbten Steine am Wegesrand
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Vorboten
Dort hinten im Tal in Richtung Beinn Eighe spielten sich noch die leichten Reste eines Gewitters ab, das sich immer wieder kurz durch fernes Donnergrollen bemerkbar machte
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Wasserfälle …
… kann man vor allem beim Aufstieg entlang des Pfades an fast jeder Ecke sehen
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Wandererspuren
Auch in den Highlands anscheinend ein beliebter Sport bei Wanderern: das Bauen von Steinpyramiden
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Letzter Blick auf Loch Torridon
Wenige Meter bevor uns das Gewitter zum Umkehren zwang, entstand diseer Blick auf den sonnenbeschienenen Loch Torridon
Photo in Originalgrösse in neuem Fenster anzeigen
Dieses Photo wurde hier aufgenommen
Abonnieren
Posts (Atom)



Auf dem Ben Lawers Car Park an der Nordseite des Loch Tay ist schon einiges los, eine einsame Wanderung wird das wohl eher nicht. Stattdessen werden wir recht vielen anderen Wanderern begegnen und auch mit dem einen oder anderen einen kleinen Schnack halten. Kräftiger Wind zerzaust die Haare, wogende Gräser auf den Hangwiesen und dennoch überwiegend Sonnenschein mit Schönwetterwolken, auch wenn die Gipfel der umliegenden Munros noch in Wattenebel gehüllt sind.
Bei ca. 860 Höhenmetern erreichen wir nach knapp 2 Stunden einen breiten Sattel. Von hier aus genießen wir den traumhaften Ausblick nach Norden in Richtung Glen Lyon. Der Gipfel des Meall Corranaich lockt. Meine Liebste hat keine rechte Lust auf sportliche Herausforderung, aber die Kids scharren schon mit den Hufen und wollen den Gipfelruhm. Der Plan ist schnell entwickelt: 25 Minuten ´rauf, Gipfelfoto knipsen, 25 Minuten ´runter – damit die Zurückgebliebene nicht so lange warten muss. Und dann folgt umgehend und kompromisslos die Umsetzung, mit zügigen, schnellen Schritten. Das kurze, steile erste Stück erfordert ein wenig Klettern, aber keine nennenswerte Handarbeit. Die Kids geben so richtig Gas und ich hampele hintendrein. Nach 11 Minuten haben wir knapp die Hälfte erreicht. Der Wind pfeift ganz ordentlich hier oben. Meine Kondition wird wohl halten, aber trotzdem ist alle zehn Höhenmeter ein kurzes Stretching (oder sagen wir es ehrlich: „Stehenbleiben“) nötig um die in den letzten Monaten wenig trainierte Beinmuskulatur vor dem vorzeitigen Kollaps zu bewahren. Zehn Minuten später stehen wir auf dem Gipfel. Leichter Nebel umwabert uns, trotzdem ausreichend Sicht für ein Gipfel-Selfie. Die Zeit ist viel zu kurz um angemessen zu würdigen, dass wir gerade unseren ersten Munro bestiegen haben. Wenigstens haben wir während des Abstiegs noch genügend Zeit ein paar luftige Fotos zu schießen bevor wir plangemäß 50 Minuten nach dem Start wieder auf dem Sattel stehen.
Der Pfad führt uns nun in einem weiten Bogen auf den Ridge zwischen Ben Lawers und Beinn Ghlas. Traumaussicht Richtung Süden auf Loch Tay und Zeit für eine kurze Rast. Die Beine sind schon ziemlich schwer und wir entschließen uns Ben Lawers auszulassen. Beinn Ghlas soll aber in jedem Fall unser zweiter Munro für heute werden. Während des Aufstiegs stehen meine Oberschenkel in Nähe der Knie öfters kurz vor dem Krampf – wieso musste ich auch mit jungen Bergziegen um die Wette rennen - aber glücklicherweise geht trotzdem immer noch ein bisschen mehr. Auf dem Gipfel des Beinn Ghlas zeigt sich der Tag dann von seiner allerschönsten Seite. Nur die Spitze des Ben Lawers hat noch ein kleines Schlagsahnehäubchen, fast alle anderen Gipfel ringsum zeigen sich in strahlendem Sonnenlicht. Hier oben ist es erstaunlicherweise fast windstill und die Sicht einfach überwältigend. Beste Bedingungen für ein 360° Panorama.


